Automobilhandwerk auf der Roten Liste

Reparieren statt austauschen

Zum Leidwesen des Ginetta-Besitzers Rainer Rosenberg muss in der "Moment"-Sommerserie über vom Aussterben bedrohte Berufe auch das Automobilhandwerk auf die "Die rote Liste" genommen werden.

Schon einige Male konnte man in Moment bzw. auf oe1.orf.at unter dem Titel "In Auspuffhöhe" von einem eigentümlichen Autotest, beziehungsweise einem Selbsterfahrungsversuch im wahrsten Sinne des Wortes hören oder lesen.
Vor mehr als zwei Jahren hatte ich in England ein kleines Sportauto gekauft, das wie auch Jaguar E oder Renault 4 heuer seinen fünfzigsten Geburtstag feiert.

Allerdings wird dieses Jubiläum wohl nur von wenigen Eingeweihten gefeiert, denn die Ginetta G4 wurde zwar mehr als 40 Jahre lang gebaut, aber es dürften nicht viel mehr als durchschnittlich 10 bis 15 Exemplare pro Jahr durch die Werkstätten der vier Walklett-Brüder in Suffolk gegangen sein.

Als ich nach der Probefahrt sofort das Auto gekauft hatte, war ich zwar gewarnt vor möglicherweise versteckten Mängeln und Schwierigkeiten bei der Typisierung in Österreich, aber die Begeisterung über ein nur einen Meter hohes und dreieinhalb Meter kurzes historisches Sportauto aus dem nahen Baujahr 2001 mit modernem, katalysatorbestücktem Motor trug mich davon...

Hierorts konnte man ja schon einige Episoden des selbstverursachten Leids lesen, diese Passion aber hatte auch Vorteile: sie führte mir die Notwendigkeit eines mechanischen Netzwerkes vor Augen, das von ähnlicher - möglicherweise zweifelhafter - Begeisterung getragen wird, wie der Autobesitzer.

Und die Moment Sendereihe "Die rote Liste der Berufe" verschafft mir die Möglichkeit, die beiden Automobil-Handwerker Stefan Lurf & Ernst Miller vorzustellen. Wahrschenlich wäre das Abenteuer ohne sie schlecht ausgegangen...

Ginetta darf nicht brüllen

Da war zum Beispiel Ernst Millers Arbeit an einem Auspuff, der österreichischen Lautstärke- und Abgasnormen genüge tun sollte: passenden Kat gesucht, passenden Auspuff gefunden - die Kombination durfte nicht länger als ein Meter sein - und nach dem ersten Test (ein paar Dezibel zu laut) wurde noch gewissermaßen ein Topf im Topf konstruiert. Das ist kreatives Handwerk. Ernst Miller hat an Scharnieren gearbeitet, an Bremsen gefeilt, während Stefan Lurf mit der Elektronik gekämpft hat.

Obwohl ihre Werkstätte in Wien 16 nach französischen Rollenten benannt ist, sind hier auch englische Raubkatzen gerne gesehene Gäste, werden genauso Motorräder repariert oder Stahlrohre für einen Nachbarn zusammengeschweißt.

Mit dem Kopf der Konstrukteure denken

Was sich die französischen Entenkonstrukteure vor vielen Jahrzehnten gedacht haben, ist für Stefan Lurf und Ernst Miller inzwischen nachvollziehbar, schließlich können sie fast von Null her einen neuen 2CV bauen, der einen großen Vorteil hat: im Gegensatz zur Werksausführung ist heutzutage der Rahmen verzinkt und damit einer der wenigen Teile einer Ente für die Rost keine Bedrohung ist. Und was beruhigend ist: nach langem Suchen fanden die zwei Werkstattpartner zu ihnen passende Mitarbeiter, die mehr wollen von ihrem Beruf als Fehlercodes am Coputer auslesen und Teile tauschen. Eine defekte Lichtmaschine kann man neu wickeln, Karosseriebleche kann man selbst herstellen – wenn man Handwerker ist und nicht nur Teiletauscher.