Millionäre wollen mehr Steuern zahlen

Die Wirtschaftskrise hat auch Deutschland mehr Schulden beschert. Um die Verschuldung zu bremsen, sprechen sich einige Millionäre dafür aus, dass sie höhere Steuern zahlen sollen.

Mittagsjournal, 02.09.2011

"Nicht an Schuldenlast kaputtgehen"

Sie gehören zu den oberen 10.000. Sänger Marius Müller-Westernhagen, der Versandhändler Michael Otto oder Ernst Prost - er hat mit Motorölen ein Vermögen erarbeitet, jetzt macht er sich Sorgen um die Zukunft Deutschlands. Er wisse von "sehr, sehr vielen" wohlhabenden Leuten, die dazu beitragen wollen, dass Deutschland "nicht an der Schuldenlast kaputtgeht".

Ähnlich sieht das der Hörgeräteunternehmer Martin Kind - er ist auch Präsident des Fußball-Clubs Hannover 96. Auch Kind wäre wie alle bisher genannten bereit, höhere Steuern zu zahlen. Aber nur wenn diese zweckgebunden zur Schuldenreduzierung verwendet würden, wie Martin Kind erklärt.

In Deutschland gibt es laut Schätzungen gut 100 Milliardäre - Einzelpersonen als auch Familien. Und - das wird oft übersehen - sie tragen den Löwenanteil bei der Umverteilung von oben nach unten. Laut Statistischem Bundesamt entfielen 2007 auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens.

SPD hat Steuerideen

In der Politik wird die Zahlungsbereitschaft der wenigen Millionäre unterschiedlich aufgenommen - die oppositionelle SPD hat zusätzlich eine ganze Liste von Steuervorschlägen: Vermögenssteuer, Finanztransaktionssteuer und Erhöhung der Einkommenssteuer. SPD-Fraktionschef Frank Walter Steinmeier: "Wenn wir die Haushalte konsolidieren wollen, werden wir um die Anhebung des Spitzensteuersatzes nicht herumkommen."

Koalition setzt auf Entlastung

Die Regierungsparteien gehen einen anderen Weg: Steuern runter und nicht rauf, wie Volker Kauder, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU Union betont. Grundsätzlich sei eine Entlastung vereinbart. Erhöhungen seien im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen.

Dem stimmt der Koalitionspartner FDP in Person des Fraktionsvorsitzenden und ehemaligen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle zu. Aber an freiwilligen Zahlungen soll niemand gehindert werden sagt Brüderle.

"Hurra, wir tilgen!"

Gute Inszenierung oder ernst gemeinter Vorschlag der Millionäre? Das wissen wohl nur sie selbst. Wenn sie mehr zahlen wollen, wäre das besser als gar nichts. Damit allein wird der deutsche Haushalt allerdings nicht saniert werden können. Da ist schon die Politik mit anderen Ideen gefragt. Wer diese der Politik nicht zutraut, kann schon jetzt seinen Beitrag leisten: Unter www.hurrawirtilgen.de kann jeder zusätzlich zu seinen Steuern dem Staat Geld zum Schuldenabbau geben - oder vielleicht besser spenden.