Ginetta ist typisiert

Alles bestens!

Vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich begonnen einen Bubentraum zu verwiklichen: ich habe in Suffolk, England, einen kleinen Sportwagen gekauft, der "klassischen" Kriterien entspricht.

Gitterrohrrahmen mit einer leichten Fiberglaskarrosserie, Frontmotor Heckantrieb, Ginetta hat fast keine Kanten, nur Rundungen prägen das Aussehen. Seit 1961 wird das Modell G4 ungefähr gleich gebaut.

In Österreich angekommen hat die Ginetta, vorsichtig ausgedrückt, das Klima nicht vertragen. Sie spotzte und streikte, und wenn sie überhaupt angesprungen ist, starb sie bald wieder ab. An das eigentliche Ziel einer Typisierung in Österreich war also zunächst nicht zu denken.

Viele verschiedene Werkstätten waren besucht worden, Elektroniker im In- und Ausland wurden aufgesucht, und als das Auto endlich funktionierte, wurde - mit Hilfe eines Sachverständigen - der Weg zur Typisierungsbehörde angetreten. Bei der ersten Ablehnung wurden einige Fehler bemerkt und einige Nichtkonformitäten.

Papiere finden Gnade

Ginetta brüllte einmal kurz auf bei der Lautstärkemessung. Das heißt: leiser wiederkommen. Und sonst noch: weniger stinken, andere Außenspiegel, anderer Hupknopf, das originelle Generalschalter-Zündschloss findet keine Zustimmung und sonst noch ein paar Kleinigkeiten. Immerhin: Die mühevoll gesammelten internationalen Papiere scheinen Gnade zu finden, die Schweinwerferhöhe könnte man sondergenehmigen, wenn halt sonst alles passt. Der Mechaniker sagt nur, er wisse nicht, was das alles kosten würde, der Bekannte lacht über manche Formulierung und der Antragsteller weiß, dass er sich in Geduld üben muss.

Im Falle einer Typgenehmigung für eine Ginetta übt man sich lieber in Demut, denn was hat sich das EU-Land England wohl gedacht, so ein Auto zum öffentlichen regulären Verkehr zuzulassen. So klein, so anders...

Die Scheinwerfer waren europäisiert, aber die Nebelschlussleuchte war noch englisch, die Spiegel zwar schön und historisch, aber zu wenig Blick nach hinten gebend, die Lenkung hatte zu wenig Spiel und die Rückstrahler waren zu nahe beinander.

Schließlich hat sich aber die Hoffnung, alle in einem EU-Staat angemeldeten Fahrzeuge würden überall in Europa typisiert, bewahrheitet, auch wenn die Wege dahin nicht die einfachsten sein mögen.

Löcher für die Tafel

Mit italienischer Hilfe - ein Ginetta-Kollege aus Golferenzo kannte die versteckte Stelle, an der sie in den Block geprägt ist - wurde die Motornummer gefunden, ein bayerischer Mechaniker war der erste, der einen Zugang zur Elektronik fand, eine Wiener Rennwerkstatt wusste eine Adresse im Burgenland bzw. Niederösterreich, die die Abgaswerte mit neuem Auspuff und Katalysator ins Lot brachte, es wurden sogar Rückspiegel gefunden, die ein europäisches Typenprüfzeichen hatten und schließlich zweifelte die Behörde nicht mehr an der Rechtskonformität des Fahrzeugs. Die Ausdauer des Typisierungswerbers hatte Erfolg.

Demut auch beim NoVA-Zahlen im Finanzamt, 1000 Euro mehr als erwartet, die Adresse der nächsten Bank wird einem freundlich genannnt.

Luxusproblem bleibt, dass die österreichische Nummerntafel nicht wirklich auf das Auto passt. Es wurden Löcher in die Motorhaube gebohrt und Schrauben montiert, damit die Tafel mit den rotweißroten Streifen auch ordentlich sicht- und haltbar ist...

Die erste Ausfahrt mit der austrifizierten Ginetta führte zu einem Fototermin: Christian Mastaliers Begeisterung gehört seltenen Autos und der Fotografie, er sah Ginetta in der Werkstätte, in der vorher angestoßen wurde, und machte die Ginetta mit dem ehemaligen Kennzeichen "EX 51 UKR" zu einem Fotoobjekt für sein Buchprojekt. Warum? Was könnte es anders sein: Ein Bubentraum. Christian Mastalier fährt TVR und hat eine Homepage, auf der ein selbsterträumtes Auto zu sehen ist, das Motto: Rundungen statt Ecken. Wie bei Ginetta, die ziemlich rund daher kommt, mit der bis jetzt aber so manche Ecke überwunden werden musste...

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oe1.ORF.at - In Auspuffhöhe

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Ginetta