"Weit.Way.Land" im Bernhard Ensemble

Das Bernhard Ensemble verwebt Schnitzlers "Das Weite Land" mit David Lynchs Film "Lost highway". Das Ganze ist unter dem Titel "Weit.Way.Land" im off Theater in der Wiener Kirchengasse zu sehen. Ein weiterer Teil aus der Serie "Theater im Abseits".

Kulturjournal, 8.11.2011

Was Schnitzler nicht sagt, macht man mit Lynch vernebelt sichtbar

"Die Seele ist ein weites Land - ich helfe dir, einen Highway daraus zu machen", sagt einer der Protagonisten im" Weit.Way.Land" und Ernst Kurt Weigel sagt zu seiner Idee, Schnitzler mit Lynch zu verknüpfen.

"Ich hab das einmal gemacht. Ich hab gedacht, wir verulken den ein bisschen, altes Österreich - und dann hab ich mich total verliebt in den - die zwei größten österreichischen Schriftsteller - das erfährt man erst - wenn man den auf der Bühne hört und David Lynch tut sich die Oberfläche gar nicht an und zeichnet mentale Landschaften - und hab mir gedacht wunderbare Ergänzung und naheliegend - dramaturgisch zu verknüpfen war Haarspalterei. Was Schnitzler nicht sagt, macht man mit Lynch vernebelt sichtbar."

Dafür reichen eine Wohnzimmerlandschaft, eine Gartenhütte und die 5 Mitglieder des Bernhard Ensembles, die in mehrere Rollen schlüpfen. Ernst Kurt Weigel wird zum Glühbirnenfabrikanten Hofreiter, ein Biokisterl- -Abonnent mit einem Anzug aus Co2 minimierter Schurwolle, der mit seinen in Europa verbotenen Glühbirnen, ganz Libyen erleuchten möchte. Und Grischka Voss stöckelt mit roter Perücke als Alptraummutter über die Bühne, und räkelt sich als Hofreiters Unbewusstes oder Mystery man im giftgrünen Ganzkörperanzug.

Sind die Bürger von damals die Bobos von heute, die global agieren, nachhaltig leben und dennoch nicht auf Luxus verzichten, wo beginnt in Zeiten von Cybersex und Internetporno der Betrug und was macht man, wenn einen mit 40 die Krise erwischt. Die Themen sind nah am heute, meint Ernst Kurt Weigel.

Und weil man, würde man Schnitzler, Bernhard oder Brecht textlich verändern, juristische Probleme bekommen würde, schreibt man die Texte komplett neu und verwendet lediglich den Handlungsfaden und die Figuren als Vorlage. Aus den ursprünglichen Titeln werden dann: Mensch. Gut. Sezuan oder Boris. Fest oder eben" weit.way.land" und man ist ganz nah dran an den Zuschauern.

Das Bernhard Ensemble

Die mediale Präsenz des Bernhard Ensembles war schon einmal stärker - etwa vor zehn Jahren als man für das Stück "Hain" den Nestroy für die beste Off Theater Produktion erhielt. drei Jahre später gehörte das Bernhard Ensemble zu den Verlierern der Theaterreform und erhielt keine Subventionen mehr.

In die Räumlichkeiten der Stadtinitiative Wien in der Kirchengasse ließ Ernst Kurt Weigel mit eigenem Geld einen zweiten Saal einbauen und betreibt das in "Off Theater" umbenannte Haus jetzt gemeinsam mit der Märchenbühne Apfelbaum.

Auf die zwei bis drei Eigenproduktionen des Bernhard Ensembles kommen rund 40-50 Fremdproduktionen von verschiedenen freien Gruppen, die es alle zu koordinieren gilt. Außerdem dient das Theater auch als Probebühne, etwa für die Festspiele Reichenau oder die Seefestspiele Mörbisch. Und auch Gert Voss hat hier schon gespielt.

Ein Ort des Ausprobieren und Scheiterns

Die Auslastung liegt bei rund 98 Prozent. Und nachdem man Andreas Mailath-Pokorny davon überzeugt hat, dass ein Haus für die freie Szene wichtig ist, erhält man mittlerweile auch 100.000 Euro Standortförderung von der Stadt Wien.

Ein Ort wo freie Gruppen spielen können, die in kein Profil passen, wo es Künstlern noch erlaubt ist zu scheitern und Dinge auszuprobieren, wo aber auch brillante Aufführungen gezeigt werden, genauso ein Ort hat Wien und seiner freien Szene gefehlt. Und genau so ein Ort ist das Off Theater geworden.

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