Fotografie-Ausstellung in der Kunsthalle
Zwischen Gender und Lifestyle
Die Kunsthalle Wien präsentiert die Ausstellung "No fashion, please! - Fotografie zwischen Gender und Lifestyle". Die Schau charakterisiert die Verweigerung herkömmlicher Vorstellungen von Mode und Schönheit.
8. April 2017, 21:58
Kultur aktuell, 09.11.2011
Normen gegen den Strich gebürstet
Hier werden gängige Schönheitsnormen gegen den Strich gebürstet. Die Performancegruppe "Martin & the evil eyes of Nur" etwa präsentiert sich als Popgruppe mit kleinen Schönheitsfehlern. Einer der Performer erklärt: "Was ist Körper, was ist ein repräsentabler Körper, wie hat ein Körper auszuschauen? Wir inszenieren sehr stark, aber wir inszenieren auch in gewisser Weise eine Unperfektheit. Ja, so bin ich, ich habe ein bisschen einen Bauch, auch wenn ich nicht dick bin und die Nase ist halt so, wie sie ist."
In der Performance wird der auch auf Männer zunehmende Druck, sich mit Antifalten- und Enthaarungscremes den gängigen Normen anzunähern, als Fleischbeschau angeprangert. Aufgebaut wird der Druck durch eine permanente Bilderflut.
Umweltverschmutzung durch Bilder
Performancekünstlerin Kaiser Kurzweil spricht sogar von einer Umweltverschmutzung durch Bilder: "Genauso wie es eine Geräusch-Umweltverschmutzung gibt, ist auch diese Bilder- und Logo- und Werbungsverschmutzung ganz extrem."
Viele der hier ausgestellten Künstler und Künstlerinnen sind unter 30. Eine ganze Generation, die die Zeit vor den Bilderfluten nicht mehr erlebt hat. Hanna Putz etwa, Model und Fotografin, reflektiert in ihren Fotoarbeiten, in denen sie Modelkollegen mit ihren Kindern ablichtet, eine Welt des permanenten Posierens: "Meine Generation lebt in einer Welt der absoluten Bilderüberflutung. Irgendwie hat man auch das Gefühl, dass alles, was man macht, nur dann etwas wert ist, wenn man es auch in die Öffentlichkeit stellt. Jeder will irgendwie Star sein, Überflutung von Castingshows - dieser total Drang danach, sich nach außen zu stülpen, weil man anscheinend nur mehr etwas wert ist, wenn man von außen Anerkennung hat."
Haarige fette Männer
Darüber hinaus zu sehen: Japanerinnen in opulenten europäischen Barockkostümen, haarige fette Männer in Nylons oder Lagerfeldkostüme, die von als Leichen drapierten Models vorgeführt werden. Weiters ein nacktes Männermodel im schwarzen Ku-Klux-Klan Umhang mit Kapuze, das seinen eigenen Kopf unterm Arm trägt. Laut Künstlerduo Luigi & Luca eine Metapher dafür, dass Menschen zu Märtyrern werden, um sich gesellschaftlichen Normen zu widersetzen.
Die Ausstellung "No fashion please!" in der Kunsthalle Wien zeigt, dass gerade an der Schnittstelle zwischen Kunst und Mode die heftigsten Kämpfe gegen die Macht der Bilder ausgefochten werden. Von der Generation Facebook. Zu sehen bis 22. Jänner.
Textfassung: Rainer Elstner
