Hörspiel nach der Novelle von Franz Kafka
Der Bau
Ein Tier, ein nicht näher bestimmtes Wesen, hat sich einen unterirdischen Bau eingerichtet - "und er scheint wohlgelungen". Das Tier sichert seine Ausgänge, legt Nahrungsvorräte an, schlummert, schläft und wacht über die Stille.
26. April 2017, 14:02
Das Tier, ein Dachs vielleicht, ist zufrieden mit seinem von ihm geschaffenen System. Schließlich ist der Bau "so gesichert, wie eben überhaupt auf der Welt etwas gesichert werden kann". Unmerklich jedoch, ohne konkreten Anlass, schleicht sich eine Bedrohung ein. Ein Geräusch vielleicht? Eine geringfügige Veränderung im Eingangsbereich? Nach und nach beginnt das Tier die Zeichen, seien sie real oder das Ergebnis einer überbordenden Bedrohungsfantasie, zu deuten. Es fühlt sich allmählich von Feinden umgeben und entwickelt, als Reaktion darauf, paranoide Strategien.
... Warum wurde ich solange beschützt? ...
Franz Kafka hat mit seiner 1923/1924 geschriebenen, aber unvollendet gebliebenen Novelle eine fantastische und bis heute gültige Parabel geschaffen. Bedrohungsgefühle benötigen keinen konkreten Feind, Fremdenfeindlichkeit gibt es auch ohne Fremde, Antisemitismus existiert auch in Ländern ohne Juden.
Der Schweizer Schriftsteller Jürg Amann hat Franz Kafkas beklemmenden Monolog bearbeitet und in eine Hörspielfassung überführt. In der Regie von Alfred Koch leiht Markus Hering Kafkas Tier seine Stimme. Zunächst sicher, später ängstlich, schließlich verschreckt. "Einen solchen Gegner", heißt es gegen Ende der Erzählung, "habe ich nicht erwarten können."
Team
Bearbeitung: Jürg Amann, Regie: Alfred Koch, Technik: Robert Pavlecka, mit: Markus Hering
