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Gesellschaft

Wir sind jung und brauchen die Welt

Wie die Generation Facebook den Planeten rettet

Der Autor, Daniel Boese, ist um die Welt gereist, er besuchte Jugendbewegungen, porträtiert junge Klimaaktivisten und erzählt, wie vernetzt die jungen Aktivisten aus aller Welt sind. Sein Buch soll Feuer unter dem Hintern machen.

"Ihr redet schon mein ganzes Leben lang über einen Klimavertrag. Ihr könnt nicht noch mehr Zeit brauchen", sagt eine 18-jährige Aktivistin zu Diplomaten beim gescheiterten Klimagipfel 2009 in Kopenhagen, an dem auch 1.500 Jugendliche teilgenommen haben. "Wer heute 20 ist, wird im Jahr 2050 60 Jahre alt sein - und all die Dinge erleben, vor denen Wissenschaftler jetzt schon warnen: Dürren, Sturmfluten, Kriege." Für junge Leute gehe es hier nicht um Politik, sondern um ihr Leben, schreibt Daniel Boese.

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Die Jugend nimmt sich ihren Platz zwischen den Diplomaten. Die Klimarevolutionäre erstreiten sich ihre Position bei den Verhandlungen und Gipfeltreffen der Vereinten Nationen, nehmen an Diskussionen teil, intervenieren mit Rapsongs, Happenings und Positionspapieren. Sie sind radikal wissenschaftlich, denn sie fordern nicht etwa freie Liebe oder die sozialistische Revolution, sondern dass Politiker den Empfehlungen ihrer klügsten Wissenschaftler folgen und Kohlendioxid-Emissionen radikal senken.

Magische Zahl 350

Die Erde ist außer Kontrolle. Bis 2013 könnte die Arktis im Sommer komplett eisfrei sein, so eine US-Studie. Mit der Kampagne "350" hat die Klimabewegung ein Symbol bekommen: 350, von Klimaschützern als wichtigste Zahl der Welt genannt, bezeichnet den anzustrebenden Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Bei 350 ppm (parts per million/Teilen pro Million) Kohlendioxid in der Atmosphäre ist das Klima gesund.

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Die Natur verhandelt nicht. Wir sind heute bei 390 ppm (parts per Million). Die Arktis schmilzt, alle hochalpinen Gletscher tauen, es gibt tödliche Dürren. Aber im Gegensatz zur Natur könne man die Politik verändern.

Unterstützung von Experten

350.org ist ein Paradebeispiel dafür, wie das Internet hilft, Kampagnen zu organisieren und Sympathisanten zu mobilisieren. Das Budget des kleinen Gründerteams hätte für eine weltweite Werbekampagne im Fernsehen nicht gereicht, mit einem 97 Sekunden langen Video auf YouTube haben sie anfangs 5.000 Leute erreicht, das waren jene, die mitgemacht haben. Mittlerweile wird die Kampagne 350.org von 117 Nationen unterstützt.

"Die Kunst, viral zu wachsen, ist die Stärke der Bewegung", schreibt Daniel Boese. Auch Blogs von Wissenschaftlern und Klimaexperten helfen, eine globale Bewegung aufzubauen und Einblicke in ihre Arbeit geben, zum Beispiel nachzulesen unter: realclimate.org und climateprogress.org. Die Webseiten sind flott gemacht, auch die realen Klimaschützer entsprechen nicht immer alt hergebrachten Vorstellungen.

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Bei der Eröffnung von Braungarts Büro war kein Öko zu sehen, es fand sich keine Sandale, kein Outdoorstiefel, keine Jutetasche. Stattdessen war der Raum bei der Handelskammer der Provinz Limburg voller Businessleute, Männer in dunkelblauen Jacketts und Lederschuhen, Frauen in Kostümen und High Heels.

Jung und aktiv

Zehn Prozent der Bevölkerung sind für 46 Prozent der Flüge verantwortlich, sagen die Aktivisten von "Plane Stupid". Sie kämpfen gegen den CO2-Ausstoß, indem sie Flugzeug-Landebahnen besetzen oder sich mit Sekundenkleber an die Türen von Last-Minute-Reiseanbietern kleben, um diese zu bockieren.

Das Buch von Daniel Boese ist voll mit Zahlen, Daten, Fakten und Adressen von Webseiten. Von der trägen "Generation Facebook" - der Generation, der zu gerne vorgeworfen wird, taten- und emotionslos vor dem Bildschirm zu hocken und nur online zu sein – kann keine Rede sein: Boese porträtiert junge aktive Menschen und berichtet von ihrem Engagement bei Jugendgipfeln. Man kann staunen, wie viel Bewegung und Energie der Jugendlichen einer tatenlosen Klimapolitik gegenübersteht.

Chinas wichtige Rolle

Als "Pinoiere" und "Umweltschützer" bezeichnet man in China jene Jugendlichen, die sich für den Klimawandel einsetzen. Der Begriff "Aktivisten" werde zu negativ mit Menschenrechtsaktivisten verbunden, also mit Menschen, die von der Regierung verhaftet werden.

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Wenn in Deutschland über den Klimawandel gesprochen wird - vor allem darüber, wie schnell wir Kohlekraftwerke und Bezinschlucker abschaffen sollten oder nicht - dann fällt früher oder später garantiert der Satz: Aber das ist ja eh nur ein Tropfen auf den heißen Stein, in China wollen sie jetzt auch alle autofahren, eine Milliarde Chinesen! Und dann machen die jede Woche ein neues Kohlekraftwerk auf!"

Dadurch entstehe der Eindruck, als ob Klimaschutz in Deutschland ohnehin sinnlos sei. Nicht das System verändern, sondern die grünen Business-Chancen aufzeigen - das ist der Zugang zum Klimaschutz, den Daniel Boese aus Asien mitnimmt, China spiele dabei eine wichtige Rolle.

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Eine Vielzahl von Gründern, Unternehmern und Forschern haben Elektroautos, ultraeffiziente Solarzellen und -kraftwerke entwickelt. Die sind längst keine Prototypen mehr, sondern können in großem Maßstab gebaut werden. Und das Land, in dem dies in großem Maßstab passiert, ist China. Das ist Chinas Rolle im weltweiten Wandel: Diese Techniken billiger und billiger zu machen. So billig, dass sie sich gegen die seit 100 Jahren erstarkten und geförderten fossilen Energien durchsetzen. Wenn das mit den 350 ppm Kohlendioxid und Nullemissionen und dem Green New Deal für die Menschheit noch irgendwie klappen soll, dann nur mit der chinesischen Produktionsmaschinerie.

Noch so viel zu tun

"Sich nicht von Verzweiflung und Angst lähmen zu lassen, ist genau der politische Akt, der eine andere Zukunft möglich macht. Und erstaunlicherweise ist genau das die Stärke der Jugendbewegung", motiviert Daniel Boese seine Leser, denn: Es gibt noch unglaublich viel zu tun.

Gestaltung: Julia Gindl · 01.12.2011

Service

Daniel Boese, "Wir sind jung und brauchen die Welt. Wie die Generation Facebook den Planeten rettet", Oekom Verlag

Oekom Verlag - Wir sind jung und brauchen die Welt
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