Stille Diplomatie bei Hamburger Elbphilharmonie

Die Hamburger Elbphilharmonie ist wohl nicht nur die spektakulärste, sondern auch die skandalumwittertste Kulturbaustelle Europas.

Seit Jahren macht das Projekt durch Bauverzögerungen und Kostenexplosion von sich reden. Ein Prozess der Stadt Hamburg gegen den Baukonzern endete kürzlich mit einem Vergleich, nach dem nun erst wieder alles offen ist.

Mittagsjournal, 12.12.2011

Als Simulation im Netz ist die Elbphilharmonie schon lange fertig. Im Herzstück des Gebäudes, dem großen Konzertsaal mit weit über 2.000 Plätzen, spielt ein virtuelles Orchester Beethovens Ode an die Freude: "Seid umschlungen Millionen".

In Zusammenhang mit der Elbphilharmonie klingt diese Textzeile Schillers wie ein Witz. Denn der avantgardistische Musentempel, entworfen von den Schweizer Architekten Herzog und de Meuron, ist bislang nur ein Symbol für politisches Missmanagement und ein Millionengrab.

Von anfänglich 77 Millionen Euro sind die Kosten bis dato auf 323 Millionen gestiegen, und es scheint nicht ausgeschlossen, dass die Rechnung am Schluss 500 Millionen beträgt. Die Bürger Hamburgs, die sich anfänglich stark mit dem Projekt identifizierten, sind inzwischen aufgebracht und fragen sich, was in ihrem Rathaus eigentlich los ist.

Zurückhaltung seitens der Politik

Die seit März im Amt befindliche parteilose Kultursenatorin der SPD-Regierung-Stadtregierung, Barbara Kisseler sagt dazu: "Es ist sicherlich, wie oft bei großen Projekten, dass man glaubt, man könne der Öffentlichkeit nicht zumuten, von Anfang an zu sagen, Kinder, das wird wunderbar, in Klammern: Aber es wird auch teuer".

Kisseler möchte den Vorgänger-Senat unter dem CDU-Bürgermeister von Beust, der das Mega-Projekt 2005 überstürzt in Auftrag gab, nicht gar so deutlich als Schuldigen nennen, denn jetzt soll es einfach mit dem Bau vorwärts gehen. Da die vertragliche Position der Stadt schwach ist, will sie das mit Diplomatie und Fingerspitzengefühl wettmachen. Besonders gegenüber dem mächtigen Baukonzern Hochtief, der finanzielle Nachforderungen in Millionenhöhe geltend macht. "Hochtief und die Kulturbehörde, um es genau zu sagen, Herr Eichholz und ich, haben uns darauf verständigt, … zu sagen, wir sind jetzt mal ein bisschen zurückhaltend mit öffentlichen Verlautbarungen", heißt das in den Worten von Barbara Kisseler.

Erst sollte die Elbphilharmonie im November 2011 fertig sein. Nun steht schon der nächste Termin 2014 infrage. So dass Christian Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie, womöglich am Ende seiner Vertragszeit 2015 für ein Haus gearbeitet haben wird, das er nur als Baustelle kennenlernen konnte.

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