Unmenschliche Arbeitsbedingungen
Buntes Spektakel durch Kinderarbeit
Für Silvester-Feuerwerke geben die Österreicher jährlich an die 10 Millionen Euro aus. Doch das bunte Spektakel bekommt einen bitteren Beigeschmack, wenn man weiß, woher die Feuerwerkskörper kommen: Fast alle werden nämlich in Niedriglohnländern wie China oder Indien hergestellt. Und zwar hauptsächlich von Kindern, unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 27.12.2011
Elisabeth Semrad
Zehntausende Kinderarbeiter
Die Kinder sind 10 bis 12 Jahre alt. Sie sitzen bei ihrer Arbeit in winzigen Ziegelbauten und stopfen Lunten und Schwarzpulver in Raketenhülsen. Einige haben keine Fingernägel mehr, weil ihre Hände verätzt sind. Kinderarbeit ist in Indien verboten. In der Realität arbeiten aber geschätzte 70.000 Kinder und Jugendliche in Feuerwerksfabriken, sagt der indische Don-Bosco-Kinderrechtsexperte Vincent Thambuaraj: "Die Kinder werden mit geschlossenen Bussen aus den Dörfern abgeholt und in die Fabriken gekarrt. Es gibt keine Fenster in den Bussen, sodass man nicht sehen kann, wer drinnen sitzt. Spät abends werden sie wieder zurück ins Dorf gebracht."
Gesundheitsschädlich und gefährlich
Die Familien sind auf das Geld ihrer Kinder angewiesen. Diese arbeiten bis zu 13 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Für eine Fünf-Euro-Rakete bekommen sie nur wenige Cent. Dafür hantieren sie mit gefährlichem Schwefel-, Schwarz- und Aluminiumpulver und atmen gefährliche Stoffe ein: "Sie inhalieren das Schwarzpulver. Die Partikel sind so klein, dass sie in den ganzen Körper gelangen. Sie setzen sich in den Lungen ab, deshalb haben die Kinder Probleme beim Atmen. Der ganze Dreck bleibt im Körper, was extrem schädlich für die Gesundheit ist. Jeder Funke kann sofort eine Explosion auslösen. Viele Unfälle werden von den Medien totgeschwiegen, sodass wir kaum wissen, wie viele Opfer es in der Feuerwerkindustrie tatsächlich gibt."
Druck auf Hersteller nötig
Der Markt mit Feuerwerkskörpern boomt. In Europa werden jedes Jahr rund 1,4 Milliarden Euro verschossen. Weltweit steigt der Konsum von Feuerwerkskörpern jedes Jahr an. Auf Silvesterraketen völlig zu verzichten, ist aber keine Lösung, meint Vincent Thamburaj: "Ich sage nicht, kaufen sie keine Raketen mehr. Denn wir brauchen Beschäftigung. Aber die Fabriken sollen endlich versprechen, dass sie keine Kinder mehr einstellen und für die Beschäftigten bessere Arbeitsbedingungen schaffen." Dazu braucht es allerdings den Druck der europäischen Händler auf die Herstellerfirmen und nicht zuletzt verantwortungsbewusste Konsumenten, die die Herkunft der Feuerwerkskörper hinterfragen.
