Israel: Frauen offen diskriminiert

In Israel ist der Konflikt zwischen einer kleinen Gruppe religiöser Fanatiker und dem Rest der Gesellschaft wieder eskaliert. Auslöser war ein TV-Bericht über ein kleines Mädchen, das von Ultrareligiösen bespuckt wurde, weil es nicht "züchtig" genug gekleidet gewesen sein soll. Streng Religiöse verlangen und haben bereits verschiedene Diskriminierungen gegen Frauen durchgesetzt.

Mittagsjournal, 27.12.2011

Kleines Mädchen von Religiösen bespuckt

Die Frage, wie Religiöse und Nichtreligiöse im jüdischen Staat zusammenleben sollen, beschäftigt Israel seit seiner Gründung. In letzter Zeit hat sich die Konfrontation wegen verschiedener Vorfälle wieder verschärft.

Ein zusätzlicher Impuls kam am Wochenende durch einen Fernsehbericht, der zeigte, wie extrem Religiöse in der Stadt Bet Schemesch bei Jerusalem sogar ein achtjähriges Mädchen terrorisierten. Die kleine Naama Margulese, die ohnehin religiös ist, wurde bespuckt und bedroht, weil sie nicht "züchtig" genug gekleidet sei. "Sie wollen, dass ich mich wie eine Ultraorthodoxe kleide und auf meine Schule verzichte.", sagt die verschreckte Naama.

Gehsteige für Männer und Frauen?

Extremisten hatten auf einer Straße auch ein Schild mit der Anweisung angebracht, dass Frauen den einen Gehsteig benützen sollten und Männer den anderen. In den Tagen danach wurden in Bet Schemesch Fernsehteams attackiert. Es gab Tumulte, als die Polizei einzelne religiöse Extremisten verhaftete.

Premier Netanjahu will durchgreifen

Die Empörung geht nun quer durch die politischen Lager. Premier Benjamin Netanjahu sagt, dass er durchgreifen wird: "Wir werden jeden festnehmen, der spuckt, der handgreiflich wird. Wir werden die Schilder entfernen lassen, die Gehsteige trennen. Dafür gibt es keinen Platz in einem freien, demokratischen Land."

Nur Randgruppe?

Auch viele streng religiöse Bürger und Politiker schließen sich jetzt den Verurteilungen an. "Es handle sich um eine kleine Randgruppe von religiösen Extremisten, die versuchen würden, allen ihren Lebensstil aufzuzwingen, heißt es da. Man dürfe nicht von ihnen auf den ganzen religiösen Sektor schließen.

Apartheit im Autobus staatlich erlaubt

Auf der anderen Seite meinen aber auch viele, die Politik und die Rabbiner hätten zu lange weggeschaut und die so genannte "Ausgrenzung der Frauen" hingenommen. Eine Debatte hat sich etwa darüber entwickelt, dass Religiöse in der Armee verhindern wollten, dass Frauen bei Zeremonien im Chor mitsingen. Nach einer religiösen Auslegung ist es nämlich unzüchtig, wenn Männer den Gesang von Frauen hören. Und schon lange gibt es einen Kampf um die Geschlechtertrennung in öffentlichen Autobussen. Streng Religiöse wünschen, dass die Männer vorne sitzen sollen und die Frauen hinten. Der Oberste Gerichtshof hat entschieden, dass das für jene Linien zulässig sei, die streng religiöse Viertel durchqueren.

Frauen offen diskriminiert

In letzter Zeit, so berichten israelische Medien immer wieder, hätte sich die Ausgrenzung der Frauen aber ausgebreitet. In manchen Zonen in Jerusalem würden etwa auf Reklametafeln nur Männer und keine Frauen zu sehen sein. Geschäfte, in denen viele streng Religiöse einkaufen, würden keine Frauen anstellen.

Demo gegen religiösen Extremismus

Für heute Abend ist in der Stadt Bet Schemesch eine große Demonstration angesagt, die den religiösen Extremisten zeigen soll, dass sie zu weit gegangen seien. Religion ja, heißt das Motto, aber ohne Zwang und ohne Gewalt.

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