Klänge und Hörgewohnheiten

"Listening Comprehension" bedeutet so viel wie Hörverständnis und ist der Titel einer Ausstellung, die am 31. Jänner 2012 im Kunstverein weisses haus in Wien eröffnet wird. Im Rahmen von Paraflows, dem Festival für digitale Kunst und Kultur, widmet sich die Ausstellung der Omnipräsenz von Klängen und Geräuschen.

Acht Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich in Performances und Installationen mit der Frage, wie Klänge unsere Gesellschaft formen und wie Hörgewohnheiten entstehen.

Kulturjournal, 31.01.2012

Wenn es in einer Ausstellung um Klang und Musik geht, muss nicht zwangsläufig Musik zu hören sein. In der Performance der taiwanesischen Künstlerin Hong-Kai Wang, mit der die Ausstellung "Listening Comprehension" eröffnet wird, kann das Publikum den trockenen Entstehungsprozess eines musikalischen Werks nachvollziehen.

Wang lädt eine Gruppe von Musikerinnen, Autoren und Architekten ein, über ein potenzielles Musikwerk zu diskutieren. Daraus soll die Anleitung zu einer Komposition entstehen. Die Diskussion wird aufgezeichnet und in eine Art Lehrtext verwandelt werden, der die Aufteilung der Instrumente im Raum beschreibt, die Beziehung der Musiker untereinander oder Bewegungsabläufe.

Demokratische Komposition

Das wäre jedenfalls der Idealfall; ob die völlig offene Diskussion zu solchen Ergebnissen führt, kann Hong-Kai Wang freilich nicht vorhersagen. Doch gerade darin liegt das Interesse der Künstlerin: einen sozialen Raum zu schaffen, in dem völlig offen und demokratisch an einer Komposition gearbeitet wird.

Jeder Teilnehmer an der Performance habe die gleiche Verantwortung am Prozess, jeder sei gleichermaßen Komponist, so Hong-Kai Wang. Damit folgt sie der Idee des Komponisten John Cage, der die Autorität des einzelnen Komponisten immer schon hinterfragt und Musik als offenen Prozess erforscht hat. Nicht zufällig wird eine Dokumentation der Performance anschließend auch bei einer John-Cage-Ausstellung im Wiener Museummsquartier zu sehen sein.

Durchsichtige Musik

Auch andere Positionen der Ausstellung "Listening Comprehension" hinterfragen vorherrschende Konzeptionen von Klang und Musik. Warm anziehen heißt es etwa bei Volkmar Klien. Er stellt seine Lautsprecher vor das geöffnete Fenster und spielt von ihm komponierte, sogenannte "durchsichtige Musik". Sie vermischt sich so mit den Klängen der Straße. Klien trägt damit dem Umstand Rechnung, dass die meisten Menschen inmitten urbaner Klänge existieren und entlarvt das Aussperren und Übertönen von Nebengeräuschen als künstlichen Vorgang, der nicht nur in der klassischen Konzertsituation praktiziert wird.

Damit es nicht rein theoretisch bleibt, veranstaltet das paraflows-Festival ab 1. Februar 2012 auch eine Konzertreihe im weissen haus; den Beginn macht der in Berlin lebende Acid-Hop-Produzent "Krach der Roboter", der sich - durchaus passend zum Rahmen - an der Grenze zwischen Musik und Geräusch bewegt.

Textfassung: Ruth Halle

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