Zwei große Ausstellungen in Deutschland

Gerhard Richter wird 80

Am 9. Februar 2012 feiert der deutsche Maler Gerhard Richter seinen 80. Geburtstag. Er gilt für viele als der wichtigste lebende bildende Künstler und wird daher auch umfassend geehrt. Zwei große Ausstellungen gibt es in Deutschland zu sehen.

Kultur aktuell, 08.02.2012

Er macht sich gerne rar, Interviews mit ihm haben Seltenheitswert, öffentliche Auftritte absolviert er meist nur, wenn es unbedingt sein muss. Das ist in letzter Zeit öfter der Fall, als ihm lieb ist, denn eine große Gerhard-Richter-Schau nach der anderen wird eröffnet im weltweiten Reigen rund um den 80. Geburtstag des Künstlers.

Da kommt Gerhard Richter dann nicht umhin, doch auf die eine oder andere Frage zu antworten, etwa auf jene nach der künstlerischen Entwicklung seines Schaffens im Lauf der Jahrzehnte: Er male jetzt "lebendiger" als früher, antwortet Richter.

"Kein Programm, kein Stil, kein Anliegen"

Freundlich, aber wortkarg bleibt er auch mit 80. Gerhard Richter, der Mann, der einmal gesagt hat: "Ich glaube an nichts. Die Motive in meinen Bildern haben keine Bedeutung", und ein anderes Mal: "Ich habe kein Programm, keinen Stil, kein Anliegen".

Der Mann, der selbiges von sich behauptet, landet mit steter Regelmäßigkeit auf Platz eins, wenn Listen mit den Namen der wichtigsten Künstler dieser Welt zusammengestellt werden. "Wichtig" heißt heutzutage meist auch teuer - vor kurzem wurde eines seiner abstrakten Bilder in New York um mehr als 15 Millionen Euro versteigert.

Gerhard Richter könnte allerdings viel reicher sein. Denn vor allem in den 1960er Jahren, da hatte er schon einen Namen, war er immer wieder äußerst unzufrieden mit seinen Bildern und zerstörte sie durch Zerschneiden oder Verbrennen, je nach Laune, ganz normal sei das gewesen, meint er in typischer Richter-Manier. Jüngst waren im "Spiegel" noch erhaltene Fotos der Bilder zu sehen, die Gerhard Richter damals zerstört hat.

Immer wieder für Überraschungen gut

Er malte gerne nach fotografischen Vorlagen. Ein Schlachtschiff, das von einem Torpedo getroffen wird, Adolf Hitler zur Comicfigur verfremdet, eine dicht bewachsenes Feld, eine Familienszene. Die enorme Breite des künstlerischen Schaffens wird schon in dieser Stichprobe ofenkundig.

Will man einen gemeinsamen Nenner finden, so wird gerne die Unschärfe genannt, die Art und Weise, in der Richter seine Vorlagen verfremdet hat, aber immer wieder hat er auch im abstrakten Fach seinen ganz eigenen Zugang gefunden. Als gemeinsamer Nenner kommt eigentlich nur in Frage, dass er immer wieder für Überraschungen gut ist, meint der Stuttgarter Kunstkritiker Nikolai Forstbauer.

Arbeitsunterlagen in Dresden

In seiner Geburtsstadt Dresden wurde dieser Tage die Ausstellung mit Gerhard Richters Arbeitsunterlagen, dem sogenannten Atlas eröffnet, eine Sammlung von 15.000 Fotos, Zeitungsausschnitten und Skizzen, die längst schon als eigenständiges Werk gilt, nur nicht beim strengen Meister selbst.

Gerhard Richter muss am Tag nach seinem 80. Geburtstag noch einen seiner raren öffentlichen Auftritte absolvieren: Da beginnt in der Neuen Nationalgalerie in Berlin die große Werkschau zum Geburtstag, die bis Mitte Mai zu den wichtigsten temporären Anziehungspunkten der deutschen Hauptstadt zählen wird.

Textfassung: Ruth Halle

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Gerhard Richter