Wahl eines Marionetten-Kandidaten

Jemen: Schlechte Chancen für Neubeginn

Nach einem Jahr der Proteste versucht Jemen einen Neuanfang: Eine Präsidentenwahl soll einen Schlussstrich unter die 33-jährige Herrschaft des vertriebenen Staatschefs Abdullah Saleh ziehen. Zur Wahl steht aber nur ein Kandidat, der bisherige Vizepräsident Mansur al-Hadi.

Mittagsjournal, 21.2.2012

Die jemenitische Politologin Alham Manea im Gespräch mit Christian Lininger

Kandidat als Marionette

Al-Hadi soll eine zweijährige Übergangszeit führen. Doch die Jemeniten sind gespalten: Im separatistischen Süden überschattet Gewalt die Wahl. Lange Schlangen vor den Wahllokalen gibt es dagegen im Norden. Insgesamt stehen die Chancen für einen echten Neubeginn und Demokratie im Jemen also schlecht, sagt die jemenitische Politologin Alham Manea. Sie sieht in der "Wahl" nichts anderes als einen Schritt, um das alte System zu bewahren.

Vom Regime vorgeschoben

Anliegen der jungen Aktivisten und der Südjemeniten würden nicht berücksichtigt, sagt Alham Manea im Ö1-Interview. Al-Hadi sei nur vorgeschoben, damit das alte Regime mit ihm weiter regieren könne. Die Politologin schließt nicht aus, dass es in Zukunft zu einem Bürgerkrieg unter den verschiedenen Gruppierungen kommen könnte. "Wir haben keine Zeit für Experimente." Ihren ursprünglichen Optimismus, dass sich die Lage im Jemen verbessern könnte, hat sie nach eigenen Worten verloren.

Alham Manea hat unter anderem in den USA studiert und lebt heute in der Schweiz.