Erstmals mit Wagner
Theater an der Wien Saison 2012/13
Das Theater an der Wien startet im Herbst bereits in seine siebente Saison als Opernhaus. Intendant Roland Geyer setzt weiterhin auf Produktionen vom Barock bis zur Moderne und wird auch den Stagione-Betrieb beibehalten. In der kommenden Saison wird Geyer zusätzlich zum Theater an der Wien auch noch die Kammeroper inhaltlich verantworten.
26. April 2017, 14:17
Mittagsjournal, 22.03.2012
Geistig zurück aus Bregenz, wo er sein Amt als Chef der Festspiele doch nicht antrat, hat Roland Geyer seine Vorhaben für das Theater an der Wien 2012/13 präsentiert. Schließlich bleibt er dem Haus an der Wienzeile nun offiziell bis 2018 als Intendant erhalten.
"Dieses Bregenz-Intermezzo hat auch etwas Gutes gehabt: Es hat meine Lust, am Theater an der Wien zu arbeiten, noch gesteigert", zeigte sich Geyer guten Mutes. In der kommenden Saison stehen jedenfalls wieder drei Barockopern, drei Werke des 20. respektive 21. Jahrhunderts auf dem Programm und vier aus dem 19. Jahrhundert. Zugleich plant Geyer neue kreative Nuancierungen - unter anderem wird 2013 erstmals Wagner im Theater an der Wien erklingen.
Beginn mit Markovics und Ofczarek
Das Auftaktkonzert findet am 6. September statt und bietet James Joyces "Ulysses", der in einer verkürzten Fassung von Karl Markovics, Corinna Harfouch und Nicholas Ofczarek gelesen wird. Die taube britische Percussionistin Evelyn Glennie bestreitet unter anderen die musikalische Rahmung.
Tags darauf, am 7. September, steht thematisch passend die erste Opernpremiere an, bei der Regisseur Claus Guth mit "Il Ritorno d'Ulisse in Patria" seine Monteverdi-Trilogie aus der laufenden Saison ("L'Orfeo") fortsetzt, die 2015 vollendet sein soll.
Bo Skovhus kehrt zurück
Der nächste Höhepunkt für Barockfans folgt am 8. November, wenn Torsten Fischer, der in der laufenden Spielzeit für Christoph Willibald Glucks "Telemaco" ein monumentales Bühnenbild inszenierte, mit "Iphigenie en Aulide" des Komponisten nachlegt. Unter dem Dirigat von Alessandro De Marchi kehrt hier Bariton Bo Skovhus ans Theater an der Wien zurück.
Am 20. Jänner 2013 schließt sich der Barockreigen, wenn Rene Jacobs mit dem Freiburger Barockorchester Georg Friedrich Händels "Radamisto" in der Regie des jungen Franzosen Vincent Boussard dirigiert.
Föttinger als Opernregisseur
Für das 19. Jahrhundert stehen die Saisonmonate 2013: Am 16. Februar hat die einzige Koproduktion der Saison (mit Zürich) Premiere, wenn Gioachino Rossinis "Le Comte Ory" in der Regie von Moshe Leiser und Patrice Caurier aufgeführt wird, wobei hier Cecilia Bartoli und Mari Eriksmoen ans Haus zurückkehren.
Am 17. März folgt Ludwig van Beethovens "Fidelio", der im Theater an der Wien einst seine Uraufführung erlebte. Als Regisseur neben Dirigent Nikolaus Harnoncourt konnte Geyer Josefstadt-Intendant Herbert Föttinger für dessen erste Musiktheaterregie gewinnen. Das sei, wie als Kind nachts auf den Friedhof zu gehen, zeigte sich Föttinger gespannt vor der Aufgabe.
Das 19. Jahrhundert beschließen am 17. April Hector Berlioz' "Beatrice et Benedict" mit Stammgast Malena Ernman und am 7. Juli Giuseppe Verdis "Attila" in der Regie von Peter Konwitschny - der Beginn einer auf vier Jahre angelegten Zusammenarbeit.
Nur eine Uraufführung
Für das 20. Jahrhundert steht im Spielplan am 10. Oktober Giacomo Puccinis "Il Trittico" aus 1918, bei dem Kirill Petrenko das RSO leitet, ebenso wie Paul Hindemiths monumentaler "Mathis der Maler" am 12. Dezember. Hier wird Tenor Kurt Streit wieder am Haus zu hören sein.
Die einzige Uraufführung der kommenden Saison wird es am 26. September im Untergeschoß des Hauses geben, im Nebenspielort "In der Hölle": Tristan Schulze bringt hier sein Werk "Premiere", das für Violine, Cello, Kontrabass und Akkordeon komponiert und mit Ildiko Raimondi und Erik Arman besetzt ist.
Kein Britten im Britten-Jahr
Ein Werk von Benjamin Britten hat Geyer ungeachtet aller Affinität 2012/13 nicht im Programm - obgleich für den englischen Komponisten 2013 ein Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag ansteht. Aber die Saison 2013/14 dürfte wohl wieder Britten-Klänge bereithalten. Stattdessen wird Jubilar Richard Wagner geehrt. "Wagner war für mich ein Komponist, bei dem ich bis vor wenigen Monaten gesagt hätte: No Way", so Geyer.
Nun fand sich aber doch ein Way: Marc Minkowski wird mit seinen Musiciens du Louvre am 5. Jänner 2013 ein Konzert wiederholen, das Wagner selbst zum Jahreswechsel 1862/1863 im Theater an der Wien mit Ausschnitten seiner Opern dirigierte. Er werde Wagner nicht in französischer Manier spielen, beruhigte Originalklangspezialist Minkowski die Gemüter.
Kammeroper-Spielplan folgt im Juni
Noch etwas gedulden müssen sich Opernfreunde bis zur Präsentation des genauen Spielplans für die Kammeroper, die künftig federführend vom Theater an der Wien bespielt werden wird. Man plane in der kommenden Saison fünf Premieren im kleinen Haus am Fleischmarkt. Diese will man aber erst Anfang Juni bekanntgeben, so Geyer.
Zufrieden zeigte sich der Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien, Thomas Drozda, mit Geyers Arbeit. Die Auslastung von 94,3 Prozent lag allerdings unter jener 2010, als man 96,4 Prozent erreicht hatte. Auch die Zahl der Abonnements sank von 4.911 um rund 80. Und im Subventionssektor könne man nichts garantieren. Bisher seien die Subventionskürzungen bei den VBW nicht auf den Opernbetrieb durchgeschlagen, so Drozda: "Auf die Dauer wird es aber unmöglich sein, diese Quadratur des Kreises aufrechtzuerhalten."
