Wen Liu, Komponistin

Vom Klavier kam sie zur Komposition: Wen Liu, Jahrgang 1988, die an der Konservatorium Wien Privatuni und an der Kunst-Uni Graz studiert. Die Werke der jungen Chinesin sind vom Klang ihrer Muttersprache geprägt. Am 26. April wurde ihr Akkordeon-Stück "Penumbra" am Konservatorium uraufgeführt. Heuer ist sie Composer in Residence beim "Atlantic Music Festival" in den USA.

"Mit sechs Jahren habe ich mit Klavier begonnen, es war damals ein Hobby, Mit 13 habe ich mich entschieden, Profi-Musikerin zu werden.

In der Folge ging ich nach Shanghai an das Gymnasium des Konservatoriums. Ich muss mich bei den dortigen Lehrern bedanken, denn sie rieten mir, mich mit Musiktheorie und mit Komposition zu beschäftigen.

Als ich nach Wien kam, war mein Haupt-Studium noch Klavier. Etwa 2008 habe ich mich dann für das Komponieren entschieden", berichtet Wen Liu, gebürtige Chinesin aus der Provinz Shanghai, Jahrgang 1988, über ihre Anfänge.

Seit 2007 studierte sie an der Konservatorium Wien Privatuniversität bei Christian Minkowitsch, bei dem sie 2010 mit dem Bachelor in Komposition abschloss. Nun setzt sie mit dem Master-Studium bei Wolfgang Liebhart fort, das sie 2013 beenden wird.

Gleichzeitig absolviert Liu, die nach wie vor Klavier-Unterricht erhält, seit 2009 an der Kunst-Uni Graz (KUG) ein Master-Studium bei Clemens Gadenstätter, das sie bis 2015 beenden wird.

Davor begann die junge Musikerin, die seit 2005 in Wien lebt, mit dem Klavier-Konzertfachstudium bei Laszlo Gereb und Alexandra Hermentin am Wiener Prayner Konservatorium, das sie bis 2008 fortsetzte.

Vorgeschlagen für die Ö1 Talentebörse wurde sie von ihrem Wiener Kompositions-Lehrer Wolfgang Liebhart aufgrund ihrer jüngsten Erfolge beim diesjährigen "Fidelio-Wettbewerb" sowie der Einladung als Composer in Residence zum "Atlantic Music Festival" in den USA.

Ins "Zentrum der Klassik"

Für Wien entschied sich Liu, zu deren Lieblingskomponisten Joseph Haydn zählt, weil sie den "originären klassischen Wiener Stil" im "Zentrum der Klassik" kennen lernen wollte.

Von Muttersprache beeinflusst

"In meine Werke fließen die chinesische Philosophie und meine Muttersprache ein. Es ist vor allem der Klang des Chinesischen, von dem meine Stücke beeinflusst sind", erläutert Wen Liu, die sehr gerne experimentiert.

Interesse an Musik-Theater

2011 konnte sie bei der KUG-Produktion von "Alice Schalek - Die letzten Tage der Menschheit" nach Karl Kraus, für die sie unter anderem die Ouvertüre komponierte, wichtige Praxis im Bereich Musik-Theater, an dem sie großes Interesse hat, sammeln.

Mitglied des "ICE"-Ensembles

Liu ist auch Mitglied des als elektroakustischen Ensembles "ICE", dem auch Ö1 Talent Matthias Kronlachner angehört und das im Herbst 2011 sein Debüt im Wiener "Porgy&Bess" hatte.

Bei "Atlantic Music Festival" in USA

Seit 2008 war Liu, die auch bereits in Ö1 zu hören war, bereits zu zahlreichen Festivals und an Universitäten eingeladen, darunter bei "Wien Modern" (2008), beim "Podium junge Künstlerinnen" der "Jeunesse" (2009), beim Tanz-Festival "Crossings" in Johannesburg/Südafrika, als Vortragende zum Thema "Zeitgenössische Musik und Komposition" an der Universitas Pelita Harapan in Jakarta/Indonesien, sowie bei der "Expo Shanghai" (alle 2010).

Und im kommenden Sommer ist Liu Composer in Residence beim " Atlantic Music Festival 2012" in Waterville/Maine in den USA:

"Im Rahmen dieses Festivals muss ich ein kleines Orchester-Stück schreiben. Es wird gleichzeitig mit den Musiker/innen geprobt und aufgeführt. Das wird eine sehr wichtige Erfahrung."

"Fidelio"-Preis 2012 für "Monster"

Zu einer der aktuellsten Arbeiten von Wen Liu, die seit 2006 rund 40 Werke geschaffen hat, zählt ihre Multimedia-Performance "Monster", bei der sie heuer beim "Fidelio"-Wettbewerb Gewinnerin in der Sparte "Kreation/Laboratorium/Werkstatt" war:

"Es war ein Versuch, mit neuen Medien zu arbeiten. Einem Tänzer wurde sein Gesicht, das von vorne aufgenommen wurde, auf den Rücken projiziert. Und dazu habe ich die Musik komponiert. Die Idee dahinter: er tanzt sozusagen mit seinem Geist."

Und mit diesem Werk wurde Liu, die bereits zahlreiche bedeutende Auszeichnungen wie den Körner-Preis erhalten hat, auch in den Wiener Ausstellungsraum "BAWAG contemporary" eingeladen.

Ensemble-Stück "Li Ge"

Eine andere wichtige Komposition Lius ist das Stück "Li Ge", das sie für das Ensemble "Platypus" schuf und das 2010 im Wiener Konzerthaus uraufgeführt wurde:

"Es ist ein Ensemble-Stück für Sopran, Flöte, Klarinette, Klavier und Cello. Der Text ist einem modernem chinesischen Liebesgedicht entnommen. Ich habe in diesem Werk versucht, das spezifische der chinesischen Sprache in Musik umzusetzen."

Uraufführung von "Penumbra"

Ihre jüngste Uraufführung galt dem Akkordeon-Stück "Penumbra", das am 26. April 2012 im Rahmen der Tagung "Akkordeon aktuell" am Konservatorium vorgestellt wurde. Für dieses Akkordeon Trio gewann sie im September 2012 außerdem den 5. Internationalen Wettbewerb "Francisco Escudero" in Spanien.

Freude am Experimentieren

Derzeit arbeitet die Musikerin an "Samsara", einem großen Solisten-Ensemble für 15 Musiker/innen, das Ende 2012 uraufgeführt werden soll.

Wie lauten die Zukunftswünsche der vielseitigen Komponistin? "Es ist mir wichtig, viel zu lernen und viele Erfahrungen zu machen – auch auf dem Gebiet der neuen Medien, die mich sehr interessieren", so Wen Liu.