Kochen, Wäsche waschen, einkaufen

"Kuma" im Kino

Das Leben einer türkischen Familie im Wien steht im Mittelpunkt des österreichischen Films "Kuma", was im Türkischen die Bezeichnung für eine Zweitfrau ist.

Kultur aktuell, 26.04.2012

Eine Hochzeit in Anatolien steht am Beginn des Films "Kuma", doch trotz Musik und Tanz will eine wirklich feierliche Stimmung nicht aufkommen. Kein Wunder, handelt es sich doch um eine Scheinehe. Ayse, so der Name der jungen Zweitfrau, der sogenannten Kuma, soll nach Österreich gebracht werden, um bald den Platz der krebskranken Fatima einzunehmen. Sie führt den großen Familienhaushalt und weist das neue Familienmitglied in seine Zukunft ein: Kochen, Wäsche waschen, einkaufen.

Das neue Familienmitglied bringt die zwischenmenschlichen Beziehungen durcheinander, vor allem unter den Töchtern. Eifersucht und Neid, aber auch moralische Bedenken führen zu Missgunst und Ablehnung. Zentrales Mittel der Ausgrenzung sind die mangelnden Sprachkenntnisse, auch wenn sich Ayse bemüht, Deutsch zu lernen.

Praxis der Parallelgesellschaft

Der in Wien als Kind einer kurdischen Einwandererfamilie geborene Regisseur Umut Dag zeigt die unterschiedlichen Wertewelten als Gratwanderung zwischen einer türkischen Herkunftskultur und den westlichen Gepflogenheiten. "Man pickt sich heraus, was für einen selbst gut ist, und natürlich stehen diese Werte immer auch im Konflikt zueinander", meint Umut Dag.

Der Film taucht auch ein in die Praxis der sogenannten Parallelgesellschaften in Österreich: "Aber eigentlich sollte das egal sein", so Umut Dag. Und Nachsatz: "In vielen Ländern gibt es Parallelgesellschaften". Und dass Deutsch für viele Immigrant/innen vor allem der ersten Generation eine große Hürde darstellt, dafür hat Umug Dag eine Erklärung: "Mein Vater hat 20 Jahre lang am Bau gehackelt mit Österreichern, die nur einen Wortschatz von 50 Wörtern haben - und die Hälfte davon sind Kraftausdrücke."

Tabus aufgreifen

Eine Liebe, die mit dem Wertekodex kollidiert und dramatische Konsequenzen hat, Homosexualität, die nicht gelebt werden kann, Gewalt gegen Frauen, über die man nicht offen spricht. Umut Dag greift Tabus auf, um die persönlichen Dramen voranzutreiben, aber auch um die Geheimnisse dahinter aufzuarbeiten. Und das vermag immer wieder auch im Kino zu überraschen.

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