Häuser zum Besuchen

Architekturtage 2012

Architektur hautnah erleben kann man auch heuer wieder bei den Architekturtagen am 1. und 2. Juni. Österreichweit kann man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Bus unter fachkundiger Begleitung hinter die Kulissen von Bauten blicken, die gewöhnlich nicht öffentlich zugänglich sind.

Kulturjournal, 30.05.2012

Sabine Oppolzer im Gespräch mit Architekturforscher und -vermittler Robert Themel

Baustellenbesichtigungen geben Einblick in neue Wohnprojekte wie "Vinzirast mittendrin" im 9.Bezirk, wo Obdachlose und Studenten gleich neben der Hauptuni demnächst das Zusammenwohnen probieren werden. Offene Türen in 80 Architekturbüros laden dazu ein, die Architekten zu ihren Entwürfen zu befragen. Grätzeltouren führen durch begrünte Innenhöfe oder in ganz neu zu erschließende Stadtteile.

Wie man unter einem Dach mit vier Kindern wohnt und arbeitet, zeigt etwa der Dachausbau von pos Architekten im 8. Bezirk in Wien. Überraschend kühl ist diese Wohnung, in der Ursula Schneider von pos Architekten schon vor Jahren ihren Anspruch auf ökologisches Bauen getestet und vor allem mit Lehmbauweisen experimentiert hat.

"Es war damals ein noch nicht sehr erprobtes Modell", sagt sie. "Damals sagten wir uns, wenn wir das unseren Kunden verkaufen wollen, wäre es gut, wenn wir einmal selbst ausprobiert haben, wie das ist."

Mittagsjournal, 30.05.2012

Kürzestmögliche Wege zur Arbeit

Ökologisch bauen heißt hier auch, nicht im Grünen wohnen und täglich zur Arbeit in die Stadt zu pendeln, stattdessen mittendrin zu sein in einer Stadt der kurzen Wege. Die kurzen Wege sind in Zeiten der Ölknappheit der wichtigste Trend in der Architektur. Gezeigt werden mehrere Beispiele für Wohnen und Arbeiten, wie Felicitas Konecny von der Österreichischen Gesellschaft für Architektur erklärt, die die Architekturtage zusammen mit der Kammer für Architekten und Ingenieurskonsulenten organisiert. So kann sie für Ein-Personen-Unternehmen eine Lösung anbieten, wo der Büroraum im selben Haus wie die Wohnung angeboten wird.

Obwohl Architektur in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit bekommt, trifft das doch meist nur für die Architektur der Superlative zu, wie Iris Meder von der ÖGFA meint: "Wir profitieren natürlich davon, dass Architektur in gewisser Weise hip geworden ist. Auf der anderen Seite ist es und wichtig zu kommunizieren, dass Architektur nicht darin besteht, dass irgendwo in Dubai ein neuer Wolkenkratzer gebaut wird." Architektur betreffe das tägliche Leben von jeder Person, so Konecny.

So wird bei den Architekturtagen im niederösterreichischen Horn etwa mit Kindern und Jugendlichen ein Baumhaus errichtet, von Kärnten aus wird mit einer Bustour die Architektur in Laibach erkundet, im oberösterreichischen Steyr sind alle eingeladen, an der Gestaltung der Uferzeile der Enns mitzuarbeiten, in der Steiermark sind junge Menschen gefragt, die im Rahmen der Workshops "ibini - heute plane ich" ihre Ideen von Wohnungen, Häusern und öffentlichen Räumen umsetzen. Die Kooperation mit Bratislava erlaubt es, an Fahrradtouren durch die Plattenbauten teilzunehmen. Sämtliche Aktivitäten sind kostenlos und meist ohne Voranmeldung möglich.

Textfassung: Ruth Halle