Theatertreffen der Schauspiel-Studierenden

In Wien hat das diesjährige Theatertreffen deutschsprachiger Schauspiel-Studierender begonnen das seit 1990 jährlich an wechselnden Orten stattfindet und in dessen Mittelpunkt der gegenseitige Austausch der Studierenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz steht.

Kurz vor der Eröffnung laufen noch die letzten Proben: Gestern Abend fiel im Schlosstheater Schönbrunn der Startschuss zum diesjährigen Theatertreffen deutschsprachiger Schauspielstudierender. Den Beginn machte der Gastgeber: Ein Ensemble des Wiener Max-Reinhardt-Seminars brachte Bertolt Brechts "Badener Lehrstück vom Einverständnis" zur Aufführung.

Klassiker und neue Stücke

Klassiker von Brecht bis Arthur Schnitzler, aber auch neue Stücke werden in den nächsten Tagen gezeigt. Interessant verspricht etwa Lutz Hübners Stück "Spiel des Lebens" zu werden, aufgeführt vom Studiengang Schauspiel der Folkwang Universität der Künste in Essen.

Zehn Schauspielstudierende blicken da auf sich selbst, machen sich Gedanken über ihre Zukunft, über Publikumserwartungen und die Gefahren für das Theater in ökonomisch schwierigen Zeiten. Die Geschichten seien zwar zum Großteil fiktiv, aber dennoch realitätsnah, erklärt Ensemblemitglied Charles Morillon.

Der Austausch steht im Vordergrund

Um solche Themen wird es wohl auch in zahlreichen Gesprächen zwischen den Schauspielstudierenden gehen. Überhaupt steht der gegenseitige Austausch der Teilnehmer im Vordergrund: Es geht etwa um unterschiedliche Theaterformen und Ausbildungsmethoden.

Nach drei Jahren Studium sei es an der Zeit, über den Tellerrand zu blicken, sagt Schauspielerin Marina Busse. Sie ist die Geschäftsführerin der Europäischen Theaterakademie "Konrad Ekhof" in Hamburg und hat die Programmplanung übernommen.

Förderung des künstlerischen Nachwuchses

Die teilnehmenden Ensembles treten auch in einem Wettbewerb gegeneinander an: Vergeben werden drei Preise, darunter der mit 20.000 Euro dotierte Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses. Für Busse steht der Wettbewerb aber keineswegs im Mittelpunkt des Treffens.

Konflikt im Max-Reinhardt-Seminar

Einen Kampf ganz anderer Art führt derzeit das Wiener Max-Reinhardt-Seminar, der Gastgeber des diesjährigen Treffens der Schauspielstudierenden. Streitpunkt ist die Besetzung einer Regieprofessur am Institut - die Stelle ist seit zwei Jahren unbesetzt.

Für die Bestellung zuständig ist der Rektor der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Werner Hasitschka. Er hat sich angeblich für die Wiener Regisseurin Anna Maria Krassnigg entschieden - obwohl eine Berufungskommission sowie die Studierenden und Lehrenden des Instituts den Schweizer Regisseur Stefan Bachmann favorisieren.

Hasitschka hege allerdings Bedenken, ob eine Regieprofessur Bachmanns mit seiner künftigen Intendanz am Schauspielhaus Köln vereinbar sei, heißt es. Die Studierenden fühlen sich übergangen und sprechen von einem Schlag ins Gesicht.

Werner Hasitschka will zur Kritik derzeit keine Stellung nehmen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handle. Wann eine Entscheidung fällt, ist noch offen.