Superamas in Wien

Heute und morgen Abend tritt auf Einladung des Tanzquartiers in der Halle G des Wiener Museumsquartiers die Gruppe Superamas mit ihrem neuen Stück "Theatre" auf. Superamas ist ein österreichisch-französisch-belgisches Kollektiv. Die Stücke sind Performances, die unterschiedliche Medien verwenden, das Ganze gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor.

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    (c) Superamas, Bianca Brooke Martin, Christophe Demarthe

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Kulturjournal, 11.01.2013

Mit einem arabischen Gedicht der franko-marokkanischen Dichterin Siham Bouhlal beginnt die Performance von Superamas. "Théâtre" oder "theatre" spielt mit der Bedeutung dieses Wortes in Englisch und Französisch, nämlich Schauplatz einerseits und der Theaterraum andrerseits.

Philippe von Superamas: "Es geht da um die Renaissance, das italienische Quattrocento, mit dem Entstehen der Perspektive im Tafelbild. Da geht es um die Frage, wie man mit einem zweidimensionalen Bild Tiefe herstellt. Wir zitieren z. B. Fra Filippo Lippi, einen der großen Erneuerer auf dem Gebiet. Uns interessiert da, wie man in einem Bild die dritte Dimension darstellt - und so beginnt das Stück mit synthetischen 3-D-Bildern. Dazu kommen Themen der heutigen Politik, also der arabische Frühling, oder die französische Politik in Afghanistan oder dem Irak. All diese Themen sind sehr ernst und genau recherchiert, aber ich muss unterstreichen, dass es eine Komödie ist."

Zum Thema Perspektive kommt auch die Perspektive einer Betrachtungsweise. "Wir erfinden ein Land, das Probleme hat, das am Rande des Bürgerkriegs steht und geheime Massenvernichtungswaffen besitzt, und das ohne seinen König leicht eine Diktatur werden könnte", erzählt Philippe. "Diese Dinge kennt man - das war ja der Grund, warum Frankreich im Irak und in Afghanistan eingegriffen hat. Bei uns ist es ein Land des Nahen Ostens, das aus den eben erwähnten Gründen in Europa eingreift, um dieses Land zu befreien und die Demokratie wieder herzustellen. Dieses Land ist Belgien."

Es gibt da natürlich zahlreiche Anspielungen auf reale Ereignisse. Das heißt aber nicht, dass man sie alle kennen muss, um sie zu verstehen. "Nein, Kulturbanausen sind willkommen, auch Idioten - Idioten im etymologischen Sinn, nämlich einfache, sonderbare, originelle Menschen", sagt Philippe. "Das Stück ist nicht elitär. Superamas arbeitet seit zehn Jahren, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen, und das gelingt uns ganz gut. Wir sind zufrieden!"

Sinn und Zweck dieser politischen Fiktion ist es, verständlich zu machen, wie es den Menschen geht, wenn ihr Land überfallen wird. Denn für die meisten Europäer sind derartige Konflikte doch sehr weit entfernt.

Zehn Performer stehen in "Theatre" auf der Bühne; zum Kern des Superamas-Kollektivs kommen noch Performer etwa aus der Türkei oder die in Österreich lebende Niederländerin Lieve de Pourcq oder Faris Rahoma, in der Rolle des Emirs von Katar.

Demokratisches Kollektiv

Die Arbeitsmethode von Superamas ist höchst interessant: Zuerst entsteht das Stück auf dem Papier. "Wir versuchen so wenig wie möglich Zeit im Studio zu verbringen", sagt Philippe. "Bevor die Arbeit mit den Performern beginnt, wird alles aufgeschrieben, also die Abfolge der Themen und der Szenen. Wir arbeiten ja viel mit unterschiedlichen Medien: Körper, Bilder, Sound. Dafür brauchen wir dann viel Zeit in den Theatern, um das genau einzurichten, damit diese Schrift verfeinert wird. Es ist also eine hybride Schrift, die, um verständlich zu sein, sehr präzise sein muss. Es ist ein bisschen wie im Kino. Unser Theater wird stärker von Techniken des Filmschnittes beeinflusst als von theatralischen. Für uns steht der Text nicht im Vordergrund."

Das Kollektiv Superamas tritt immer als solches auf, darum spielen die Mitglieder nicht unter ihren Namen. "Die sechs Mitglieder sind über Wien, Brüssel und Paris verstreut. Wir sind Europäer. Deshalb interessieren wir uns für außereuropäische Themen!"

Die Kommunikation zwischen den Mitlgiedern in den verschiedenen Städten ist im Zeitalter von Skype auch kein Handicap mehr, sagt Philippe. Was nun Performer von außen angeht, so gibt es eine Regel, sagt Philippe: "Ausgangspunkt ist immer das Stück, und dafür werden dann passende Performer ausgesucht. Also nicht umgekehrt, etwa dass man gute Performer hat, für die man dann eine Rolle finden soll."

Und was das Kollektiv betrifft so umstreicht Philippe: "Wir sind keine Maoisten, also dass wir heute Feldarbeit machen und morgen auf die Uni gehen. Jeder hat so seine Begabungen, die wir nützen. Entscheidungen werden getroffen, aber wir hassen Autorität und versuchen deshalb, ein anderes Modell zu finden!"

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