Buckminster Fullers "World Game"

Richard Buckminster Fuller war eine Spielernatur. Auf seine Art freilich. Der US-amerikanische Philosoph, Architekt, Ingenieur, Erfinder, Segler, Kartograph, Schriftsteller, Visionär Buckminster Fuller lebte von 1895 bis 1983 und war trotz aller Katastrophen, die dieses Jahrhundert so mit sich brachte, ein Optimist.

Er war anders als zeitgenössische Apokalyptiker der Meinung - und das ist der Grundtenor seiner Tausenden Seiten Schriften und unzähligen Vorträge -, dass sich die Welt zum Positiven hin verändere. Mehr Menschen denn je hätten heute Zugang zu Nahrungsmittel, Bildung, Wohlstand.

Trotzdem gibt es freilich noch genug zu tun - und Buckminster Fuller war ein Mann der Tat, aber: Was tun, wenn alle philosophischen und gesellschaftlichen Systeme, die in den letzten paar tausend Jahren eine Zeitlang funktioniert haben, zu versagen beginnen? Was tun? - Na spielen! Spielend die Welt verändern, verbessern mit dem "World Game".

Buckminster Fuller

Buckminster Fuller

(c) Dan Lindsay | I Lizenz: CC BY 3.0 | http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en

Keine Sieger und Verlierer

Unter Richard Buckminster Fullers "World Game" darf man sich allerdings kein konventionelles Spiel vorstellen, sagt Enrique Guitart vom Buckminster Fuller Institute Austria. "Das ist kein Brettspiel, bei dem es um ein fiktives Szenario geht wie bei 'Monopoly' oder so, das 'World Game' wird mit Daten und Fakten unserer realen Welt gespielt."

Das "World Game" war 1961 Buckminster Fullers Antwort auf die grassierenden War Games, weshalb es zu Anfang auch "World Peace Game" geheißen hat. Fuller, der das Spiel bei einigen Großveranstaltungen wie der Weltausstellung von Montreal 1967 gespielt hat, hat keine genaueren Spielregeln hinterlassen, nur das Ziel ist klar.

Bei konventionellen Spielen sind am Anfang alle Mitspieler in der gleichen Position, am Ende gibt es dann Sieger und Verlierer. Da Fuller aber von der realen Welt ausgeht, gibt es am Anfang Sieger und Verlierer - Staaten, Kontinente, Weltgegenden - und das Ziel ist, dass sie am Ende alle gleich sind, dass die Ressourcen gerecht verteilt sind. Das Buckminster Fuller Institute Austria hat dieses Spiel schon öfter durchgeführt. Das Wichtigste dabei, sagen die Verantwortlichen, ist, dass die Spieler nicht "denken" sollen, wie man eine gerechtere Welt schaffen könnte, sondern irgendwo anfangen, beim Bekämpfen des Hungers, bei der Bildung, beim Wasser - jeder kann andere Prioritäten haben.

Neue Weltkarte entworfen

Mitmachen, teilnehmen - der olympische Gedanke ist schon die Hälfte der Miete. Und dann braucht es zur Weltverbesserung auch eine adäquate Weltkarte. Da Bucky Fuller mit der bei uns gebräuchlichen Mercator-Weltkarte nicht zufrieden war, weil sie die dreidimensionale Erde verzerrt in der Zweidimensionalität darstellt, hat er gleich eine neue Weltkarte entworfen. Denn nur auf der Grundlage von korrekten Visualisierungen lassen sich korrekte Entscheidungen treffen.

Fullers Dymaxionskarte ist also eine der Grundlagen des "World Game". Die zweite sind korrekte Realtime-Daten aus dem Netz über Produktion und Bedarf, Bevölkerungswachstum und Sterberaten, Rohstoffvorkommen und Nahrungsmittelbedarf der verschiedenen Weltgegenden, um nur einige Parameter zu nennen.

380 Menschen haben das letzte Mal auf der Ars Electronica mitgespielt und haben, wenn schon nicht merkbar die Welt, so doch an ihren Gesichtern ablesbar, sich selbst verändert. Enrique Gutiart vom Buckminster Fuller Insitute Austria führt das auf den Eindruck der Spieler zurück, dass sie durch ihre Vorschläge und Eingriffe das Gefühl der Ohnmacht loswerden, das uns bei der Menge der zu bearbeitenden Baustellen auf dieser Erde suggeriert, als Einzelner nichts machen zu können.

Spielziel: Gerechte Ressourcenverteilung

Was kann man also machen? Entscheidungen treffen! Die Mitspieler des "World Game" in Linz wurden ausgestattet mit den notwendigen Daten, und auf einer riesigen auf dem Boden ausgelegten Dymaxionskarte befragt, was ihrer Meinung nach geschehen müsste, um das Spielziel der gerechten Ressourcenverteilung, des Wohlstands für alle jenseits des antiquierten Nationalstaatendenkens zu erreichen. Und siehe da, ihre Entscheidungen waren nicht die schlechtesten.

Nachdem die verschiedenen Anregungen in ein Simulationsprogramm eingegeben worden waren, konnte man die ungefähren Folgen dieser Entscheidungen nachvollziehen und sie lagen nicht sehr weit von den Voraussagen der "Experten" entfernt. Was bleibt, ist das Gefühl: Ich liege gar nicht so falsch, ich könnte auch Entscheidungen treffen - soll ich?

Raumschiff Erde

Warum dieses Modell der Umverteilung in der Vergangenheit und im realen Leben nicht funktioniert hat, ist schlicht auf die Angst der Wohlhabenden davor zurückzuführen, etwas von ihrem Reichtum abgeben zu müssen. Dieses Argument lässt der Erfinder, Wissenschaftler und Technologiefreund Buckminster Fuller jedoch nicht gelten. Es gebe genug für alle auf diesem "Raumschiff Erde" - auch ein Begriff, den er mit seinem Buch "Gebrauchsanweisungen für das Raumschiff Erde" geprägt hat.

Er widerspricht damit den Ideen von Malthus und Darwin, die postuliert haben, dass die Bevölkerungsexplosion auf der Erde die Ressourcen knapp werden lasse und deshalb nur der Stärkste überleben werde - übersetzt ins 20. Jahrhundert Fullers: der Staat mit der größten Armee. Wenn aber - so Richard Buckminster Fullers Vorschlag - allein das Geld und die Technologie, die in die US-amerikanische Armee gesteckt werden, zum allgemeinen Fortkommen der Menschheit investiert würden, wäre man dem Spielziel seines "World Game" schon viel näher:
"Die Idee war, die Welt für 100 Prozent der Menschheit in kürzest möglicher Zeit durch spontane Kooperation, ohne ökologische Schäden oder persönlichen Nachteil von irgendjemanden dabei in Kauf zu nehmen, so zu verändern, dass die Lebensqualität von allen eine bessere wird."

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