Ausrutscher im Wahlkampfendspurt

Im Wahlkampfendspurt zeigt sich die Nervosität der Akteure. Beispiele: Der ÖVP-Bauernbund fährt eine besonders harte Kampagne gegen Rot-Grün, die auf Aktionen von radikalen Tierschützern - die den Grünen zugeordnet werden - Bezug nimmt. Und die oberösterreichische SPÖ versucht offenbar, aus der Krebserkrankung ihrer Spitzenkandidatin Barbara Prammer Kapital zu schlagen. Jetzt wird aber zurückgerudert.

Morgenjournal, 27.9.2013

"Tapfere" Prammer gegen "Hardcore"-Fekter

Am Montag hat sich die Nationalratspräsidentin erstmals persönlich zu ihrer Krebserkrankung geäußert, am Mittwoch kam von ihrer Partei dann eine Aussendung, die diesen Text enthielt: "Alle Stimmberechtigten haben am Sonntag in Oberösterreich die Wahl zwischen der untadeligen, menschlichen und tapferen SP-OÖ-Spitzenkandidatin Barbara Prammer und der VP-Hardcore-Ministerin Maria Fekter." Eine offensichtliche Anspielung auf Prammers Kampf gegen den Krebs, möchte man meinen. Ein Missverständnis, sagt SPÖ-Landesgeschäftsführer Christian Horner: "Das war nicht meine Absicht. Ich würde aus heutiger Sicht das Wort 'tapfer' nicht mehr verwenden, weil man das in der von Ihnen geschilderten Art interpretieren kann."

Horner will das auch nicht als Ablenkungsmanöver von der Finanzaffäre sehen, die die Linzer Stadt-SPÖ zu verantworten hat. In Linz ist fast eine halbe Milliarde Euro bei einem Zinstauschgeschäft versenkt worden, das wird von der Landes-ÖVP und deren Spitzenkandidatin Fekter massiv gegen die SPÖ verwendet. Im für das Gesamtergebnis wichtigen Bundesland Oberösterreich ist das besonders heikel. Horner beschwichtigt: "Wir haben diese Sorge nicht, weil wir sicher sind, dass Wählerinnen und Wähler sehr genau unterscheiden können zwischen der Nationalratswahl und lokalen Ereignissen wie etwa in Linz. Tatsache ist aber, dass die ÖVP in Oberösterreich noch stärker als im Bund versucht, mit sehr untergriffigen Methoden Stimmung zu machen."

ÖVP: "Bauernhetze" durch Tierschützer

"Radikale Tierschützer dringen in Ställe ein. Radikale Tierschützer terrorisieren unsere Familien. Für Grün-Freunde und Fleisch-Verweigerer ist das alles okay? Schluss mit Bauernhetze von Rot-Grün." Das ist auch die ÖVP. Aber der Bauernbund, der sich mit einem dramatisch gestalteten Flugblatt dieses Inhalts gegen Tierschützer rund um Martin Balluch zur Wehr setzt. Balluch hat 2008 symbolisch auf der Liste der Grünen kandidiert, die Bauernbund-Aktion riecht aber mehr nach einem Revanchefoul: Politisch waren es vor allem die Grünen, die das Pestizidverbot gegen den Bauernbund durchgesetzt haben. Bauernbund-Direktor Johannes Abentung stellt einen Zusammenhang in Abrede: "Eine Retourkutsche gegen die Grünen ist das sicher nicht. Wir haben da wenig Berührungspunkte. Unsere Wählerschaft ist ländlich orientiert mit einem christlichen Fundament, was man bei die Grünen nicht unbedingt sagen kann. Das ist ja eher urban und alternativ orientiert mit einem marxistischen Untersatz." Abentung spricht von einer Notwehrmaßnahme, die man lieber nicht gesetzt hätte, aber setzen musste. Gerade weil Wahlkampf ist.