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Mira Lu Kovacs

Beim diesjährigen Popfest gehörte sie zu den großen Entdeckungen: die junge Wiener Sängerin Mira Lu Kovacs mit ihrer Band Schmieds Puls. Vor einem Monat veröffentlichte die Band ihr Debüt-Album "Play Dead", eine Sammlung von elf eindringlichen Liedern, in denen Mira Lu Kovacs große Gefühle mit raffiniertem Songwriting verbindet.

Mira Lu Kovacs

Kulturjournal, 25.10.2013

Es ist es still in Mira Lu Kovacs kleiner Altbauwohnung. Längst ist nicht alles eingerichtet. Mira Lu Kovacs kommt gerade erst in ihrer neuen Bleibe an. Erst wenn es draußen stiller wird, findet auch die Sängerin die Ruhe fürs Schreiben.

Play Dead, die Debütplatte von Schmieds Puls, kreist um das eine große Thema: die Liebe. Kovacs singt von Beziehungen und ihren Brüchen. Ungebrochen ist ihre Lieber zur Sprache, zum Spiel mit den Worten. "Ein schöner Satz", sagt sie,"hat meistens eine eigene Melodie".

Die Texte sind das Gerüst für die Lieder von Schmieds Puls. Die Musik gesellt sich dann eher beiläufig und spontan zu den Worten.

In ihren Liedern klingt Mira Lu Kovacs abgeklärt. Schonungslos kommentiert sie ihre eigene Vergangenheit und geht in ihren Beobachtungen mit sich selbst hart ins Gericht: "Die allergemeinste Person war ich bis jetzt immer selbst"

Das Zimmer von Mira Lu Kovacs ist sonnendurchflutet, zwei imposante Lautsprecher stehen da, dahinter eine große weiße Kiste mit den Notizheften der Sängerin. Kovacs schnappt sich ihre alte Gitarre, die sich so leicht verstimmt.

Dass Ehrlichkeit und Offenheit, dargebracht von einer Frau mit einer Gitarre oft mit den Worten zart und verletzlich in Verbindung gebracht wird, stört sie. Zarte Frauen, die ihr Leid klagen - in diesen Club will MLK nicht. Sie wehrt sie sich gegen Schubladen und kann mit einem Label wie Singer/Songwriterin wenig anfangen. Selbst der Begriff Künstlerin kommt ihr nur schwer über die Lippen. Für sie ist es ein großes Wort, das zu schwer wiegt. Mira Lu Kovacs will sich wohlfühlen, bei dem was sie macht. Sie muss ganz darin aufgehen, sonst lässt sie es lieber gleich sein.

In ihrem neuen Zimmer fühlt sich Mira Lu Kovacs zu Hause. An der Tür ein Poster der großen Heldin und Wegbegleiterin Ani DiFranco, die wie wild auf ihrer Gitarre spielt. Schon mit zwölf beginnt Mira Lu Kovacs Ani DiFranco zu bewundern. Die New Yorkerin wechselt zwischen Funk, Hip Hop und Folk, schreibt Gedichte und ist eine Ikone des Feminismus. Seit Mira Lu Kovacs Musik macht, ist DiFranco immer da.

Mira Lu Kovacs musikalische Reise hat schon früh begonnen. Von sich selbst sagt sie, dass sie immer schon sehr verträumt war. Immer mit einem Bein in ihrer eigenen Phantasiewelt.

Sie zeichnete, schrieb unvollendete Krimis mit sieben Seiten und entdeckte dann die Gitarre. Das Instrument gab ihr die neue Möglichkeiten.

Irgendwann wird ihr in Wien zu eng und sie beschließt einfach wegzugehen. Für drei Monate geht sie nach New York, lässt die Gitarre daheim und verjubelt ihr vorgezogenes Erbe. Unterwegs und ohne Instrument lernt sie sich selbst und die Musik neu kennen.

Als sie nach San Francisco kommt, hält sie es nicht mehr aus, kauft sich eine Gitarre und beginnt wieder damit, Lieder zu schreiben. Es ist der September 2011. Kurz danach kehrt sie nach Wien zurück und sieht ihr Instrument nun mit anderen Augen. Die Beziehung zu ihrer Gitarre wird ernsthafter. Nach jahrelanger Ausbildung durch uninspirierte Lehrer, ist plötzlich eine neue Intimität da. Und mit der Innigkeit kommt auch ein neues Selbstverständnis.

25.10.2013

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