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Kultur

Filmdoku "Can't be silent"

Beim Internationalen Filmfestival für Menschenrechte "This Human World" hatte gestern ein deutscher Dokumentarfilm seine Österreichpremiere. In "Can't be silent" begleitete die Filmemacherin Julia Oelkers eine Gruppe von Asylwerbern, allesamt Vollblutmusiker, die gemeinsam mit dem Liedermacher Heinz Ratz auf Deutschlandtournee gegangen sind.

"Can't be silent" ist aber nicht nur ein stimmungsvolles Road-Movie, das den Flüchtlingen von Auftritt zu Auftritt folgt, sondern zeigt auch deren tristen Alltag abseits der Bühne.

Kulturjournal, 12.12.2013

Wolfgang Popp

Sam stammt aus Gambia. Er besitzt keine Aufenthaltsgenehmigung, kann gleichzeitig aber auch nicht abgeschoben werden. Dieser Schwebezustand, der keinerlei Sicherheiten oder Perspektiven bietet, läuft im deutschen Justizjargon unter der zynischen Bezeichnung "Duldung". Bei Sam sind es mittlerweile mehr als vier Jahre, die er geduldet, aber ohne Zukunft in Deutschland verbracht hat. Die Musik, so erzählt er im Film, ist das einzige, was ihn weitermachen lässt.

Andere hat es noch schlimmer erwischt als Sam: Nuri ist vor über zehn Jahren mit seiner Familie aus Dagestan geflüchtet. Er hat damit seine gesamte Jugend im Zustand der Duldung verbracht. Als MC Nuri rapt der junge Dagestaner jetzt um sein Recht. Dass er das vor Tausenden Menschen quer durch Deutschland machen kann, ist das Verdienst des Liedermachers und Menschenrechtsaktivisten Heinz Ratz, der mit seiner Band "Strom & Wasser" die Refugees entdeckt hat.

Dass Heinz Ratz ein beharrlicher Kämpfer für die Anliegen der Asylwerber ist und sich dabei auch kein Blatt vor den Mund nimmt, wird in "Can't be silent" sehr rasch klar. Als er von Staatsseite für sein Engagement ausgezeichnet wird, findet er bei der Zeremonie in Berlin für die anwesenden Politiker wenig schmeichelnde Worte. Es ist eine perverse Situation, dass diejenigen ihn auszeichnen, die ihm kurz vorher noch Prügel in den Weg gelegt haben. Denn um mit den Flüchtlingen auf Tour durch Deutschland gehen zu können, musste Ratz einen bürokratischen Hürdenlauf absolvieren.

Von der Konzertbühne begleitet "Can't be silent" seine Protagonisten aber auch zurück in den Alltag. Die Wohnverhältnisse in den Flüchtlingslagern sind trist, darüber hinaus liegen die Heime meist im Niemandsland, fernab der größeren Städte, die zumindest ein wenig Ablenkung bieten würden. Und dann droht dauernd die Abschiebung, die oft ganz plötzlich erfolgen kann. Ein Anrainer erzählt im Film über die Nacht-und-Nebel-Aktionen, die da gewöhnlich stattfinden.

"Can't be silent" ist ein Film, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Was aber noch wichtiger ist: Er redet nicht über die Flüchtlinge, sondern gibt ihnen ihre Stimmen zurück und die sind mehr als eindrucksvoll.

12.12.2013

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Can't Be Silent

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