Künstler provoziert mit antisemitischer Geste
In Frankreich sorgt seit rund zwei Wochen ein Komiker landesweit für Aufregung. Sein Name: Dieudonné M'bala M'bala. Sein neuestes Spektakel, das ab übermorgen quer durchs Land auf Tournee geht, soll nun wegen eindeutig antisemitischer Äußerungen verboten werden. Innenminister Manuel Valls hat ein Rundschreiben an alle Präfekten und Bürgermeister Frankreichs gerichtet.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 7.1.2014
Aus Paris, Hans Woller
Antisemitische Sprüche im neuen Programm
Der 47-jährige Dieudonné M'bala M'bala ist ein Provokateur, ein gewiefter Geschäftsmann, gelegentlich auch Politiker, der bei Wahlen angetreten ist und ein Komiker, den immer mehr Franzosen nun wirklich nicht mehr komisch finden. Einst hat er noch gegen Kandidaten der Nationalen Front kandidiert, zuletzt trat er mit einer Antizionistischen Liste bei Wahlen an, machte Jean Marie Le Pen zum Paten seines Sohns, holte den Holocaust Leugner Faurisson auf die Bühne, präsentiert sich als Antikolonialist, als Freund des Iran und von Baschar al Assad.
Immer mehr aber geht er vor allem mit offen antisemitischen Sprüchen hausieren, wie in seinem neuen Programm, das in seinem Pariser Theater seit Monaten läuft. Sinngemäß ist darin die Rede davon, dass in den Vernichtungslagern der Nazis nicht genügend Juden vergast worden seien. Dieudonné tritt mit einem verkappten Hitlergruß auf, bei dem die linke Hand den ausgestreckten rechten Arm daran hindert nach oben zu schnellen – eine Geste, die auch zwei ehemalige französische Fußballnationalspieler inzwischen vor Fernsehkameras kopiert haben.
Aufführung können verboten werden
Innenminister Valls stellte nun klar: "Bürgermeister oder Präfekten können eine Aufführung verbieten, wenn Gefahr besteht, dass die öffentliche Ordnung gestört wird. Ein weiteres Motiv für ein Verbot ist, dass die Aufführungen den Respekt vor der Würde des Menschen verletzten und exakt dies ist in den Programmen von Dieudonné M'bala M'bala der Fall."
Der Anwalt des repräsentativen Rates der jüdischen Institutionen Frankreichs meinte: "Journalisten und Polizeioffiziere haben ja festgehalten, was Dieudonné jeden Abend in seinem Spektakel wiederholt und das hat ganz klar ergeben, dass dieses Spektakel zutiefst antisemitisch ist."
Verbot bewirkt genau das Gegenteil?
Bleibt die Frage, ob ein Verbot der zum Teil schon fast ausverkauften Aufführungen der jetzt beginnenden Frankreichtournee dem Komiker nicht nur weitere kostenlose Werbung verschafft. Und auch einigen Menschenrechtsorganisationen in Frankreich scheint nicht sonderlich wohl zu sein beim Gedanken an ein Verbot. "Im Vorfeld eine Aufführung zu verbieten, ist eine extrem schwerwiegende Maßnahme, ein Angriff auf die Grundfreiheiten und schafft einen Präzedenzfall. Wir haben es mit einem Extremisten zu tun, der Abscheuliches von sich gibt und es gleichzeitig schafft, dass die öffentliche Hand Maßnahmen ergreift, die die Freiheiten einschränken. Das ist ein Desaster und wird Dieudonne weitere Sympathisanten zuführen - das exakte Gegenteil dessen, was Innenminister Valls erreichen will."
Dieudonné zieht mit seiner reichlich wirren Ideologie auch so schon ein überraschend großes Publikum an – vielfach aus den multikulturellen Vorstadtghettos. Er wird von Links- und Rechtsextremen unterstützt, von militanten Muslimen, Rassisten oder Antikolonialisten. "Mich bringen seine Übertreibungen zum Lachen, andere vielleicht nicht. Ich find es legitim, dass er sich weiterhin ausdrücken kann", meint ein Besucher einer Pariser Aufführung.
Beate und Serge Klarsfeld haben im Namen des Verbandes der Kinder und Enkel der französischen Deportierten für morgen im westfranzösischen Nantes zu einer Demonstration aufgerufen, wo am Donnerstag die Frankreichtournee Dieudonnes starten soll.
