KHM im Kino: "Das große Museum"

Das Wiener Kunsthistorische Museum (KHM) gehört zu den größten und bedeutendsten Museen weltweit. Einen Blick hinter die Kulissen dieses gewaltigen Kunsttempels wirft jetzt der Dokumentarfilm "Das große Museum".

Morgenjournal, 2.9.2014

Über zwei Jahre hinweg durfte Regisseur Johannes Holzhausen die Menschen, die hinter dieser gewaltigen Institution stecken bei der Arbeit beobachten und hat dabei überaus überraschende und ergreifende Momente eingefangen. Am Freitag läuft der Film in Österreich an.

Als ehemaliger Kunstgeschichtestudent, erzählt Johannes Holzhausen, habe er schon lange mit dem Gedanken gespielt, einen Film über das Kunsthistorische Museum zu drehen. Doch erst als Sabine Haag 2009 zur neuen Generaldirektorin bestellt wurde, nahm er sein Projekt in Angriff.

Blick hinter verschlossene Türen

Über zwei Jahre hinweg drehte Johannes Holzhausen im Kunsthistorischen Museum und nur so erklärt sich das Vertrauensverhältnis, das es da zwischen dem Filmemacher und den Museumsmitarbeitern gegeben haben muss. Und trotzdem überrascht es hinter wie viele verschlossene Türen Holzhausen blicken durfte.

Da beobachtet er Marketingsitzungen, in denen genau wie in Großkonzernen beinhart Strategien entwickelt werden. Oder er schaut den Restauratoren auf die Finger, die ihre Kunstschätze gegen Angriffe aus der Tierwelt verteidigen müssen.

"Dem Zufall Raum geben"

Johannes Holzhausen folgt mit seinem Film den Regeln des Direct Cinema und versucht so nahe am Geschehen dran zu sein, dass Fragen überflüssig werden. Er wollte dem Zufall Raum geben, so Johannes Holzhausen, gewisse Themenfelder und Rote Fäden habe es im Vorfeld aber gegeben. Interessiert habe ihn etwa die besondere Rolle des Kunsthistorischen Museums, das für die Republik Österreich das Habsburger-Erbe verwaltet.

Gerade bei den deutschen Mitarbeitern löst der Umgang mit der Monarchie oft Befremden aus: "Mir persönlich, als Ausländer und Ignorant, ist es einerlei, was in der Präsidentschaftskanzlei hängt, aber als Kunstvermittler hier im Hause, habe ich manchmal das Gefühl, dass mir die Habsburger wie ein Klotz am Beine hängen."

Eine Bauchentscheidung

Zu Wort kommen aber natürlich auch die Kunstwerke und das in beeindruckender Weise. Holzhausen durfte sich ihnen nämlich fast bis auf Tuchfühlung nähern. Dass er seinen Film nicht schon in der Ära Wilfried Seipel realisiert habe, sei eine Bauchentscheidung gewesen, so Johannes Holzhausen. Die Reaktionen nach der ersten Vorführung hätten ihm aber Recht gegeben: "Der ehemalige Direktor findet das zu transparent. Dinge, die man sieht hätte er nie erlaubt. Sabine Haag liebt den Film, ist begeistert."

Spannend, witzig und ergreifend

Das spricht nicht nur für die sympathische Open-Door-Politik von Sabine Haag, sondern auch für den genauen Blick von Johannes Holzhausen. Und dass der Filmemacher außerdem mit einer unglaublichen Leidenschaft für die Kunst und eine gesunde Portion Humor an die Sache heranging, macht "Das große Museum" so witzig, spannend und ergreifend wie ein Spielfilm erst einmal sein muss.

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