Neue Instrumente und Erkenntnisse

Ein Zwischen- und Nachbericht von der intensiven Arbeits-Phase 2 in der interaktiven Klang-Voliere von alien productions in den Kittenberger Erlebnisgärten. Viel gab es wieder zu lernen, sowohl für die Graupapageien als auch für die Menschen.

Es ist der 3. Oktober, ein strahlend schöner Freitag und ich nütze meine letzte Gelegenheit gemeinsam mit Norbert Math und Andrea Sodomka die Papageien in den Kittenberger Erlebnisgärten zu besuchen, bevor es auf zum diesjährigen musikprotokoll geht, das - vom 3. Oktober aus besehen - in wenigen Tagen startet.

  • Papagei mit Babyklavier

    Chica spielt Baby-Gitarre.

    (c) Martin Breindl

  • Papagei mit Babyklavier

    (c) Martin Breindl

  • Papagei mit Babyklavier

    Und Chica spielt auch Babyklavier.

    (c) Martin Breindl

  • Papagein mit Babyklavier

    (c) Martin Breindl

  • Papagei und Kartonschachtel

    Besonders gerne zerfetzt Pauli klingende Kartons.

    (c) Martin Breindl

  • Papagei und Kartonschachtel

    (c) Martin Breindl

  • Papagei und Kartonschachtel

    (c) Martin Breindl

  • Heidelinde Gratzl und Voliere mit Papageien

    Ein musikalischer Dialog: Heidelinde Gratzl reagiert auf die Pfiffe der Papageien und die Papageien reagieren auf das Akkordeonspiel von Heidelinde Gratzl.

    (c) Martin Breindl

  • Papagei und Kameramann

    Ganz besonders interessiert sind die Papageien auch an Elektronik aller Art, hier an der Kamera des Dokumentarfilmers Jörg Burger.

    (c) Martin Breindl

  • Papageien in Katzenkäfigen

    Nach einem Monat in den Kittenberger Erlebnisgärten geht es wieder nach Hause in das Papageienheim der ARGE Papageienschutz.

    (c) Iris Baldinger

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Chica und der Rock’n’Roll

Im Produktionstagebuch von alien productions habe ich gesehen, dass Chica gerade viel Freude an einer knallbunten Baby-Gitarre hat. „Die Baby-Instrumente kommen der Motorik der Papageien recht gut entgegen“, erklärt Math. „Sie können sie sehr gut bedienen und daran herumforschen.“ Außerdem seien diese Instrumente mit ihren abgerundeten Kanten nicht nur kinder- sondern gleichzeitig auch papageiensicher. Natürlich hätte Chica zuerst einmal versucht, die Baby-Gitarre zu zerbeißen, jedoch erfolglos. Wir begeben uns also mit der Baby-Gitarre in die Voliere und Chica ist auch prompt zur Stelle und bei der Sache.

Das Karton-Zerfetz-Instrument

Apropos Zerbeißen. „Pauli will schon wieder etwas zerfetzen, sie hat gerade versucht mein Edirol (Anm.: Aufnahmegerät) zu essen“, ruft plötzlich Andrea Sodomka, die sich währenddessen im Innenbereich der Voliere mit Pauli und Billy beschäftigt hat. Diese Gelegenheit sollte natürlich nicht ungenutzt gelassen werden und so beschließen Sodomka und Math spontan eine „Fetz-Session“ zu machen.

Die Idee zum Karton-Zerfetz-Instrument sei ihnen eigentlich schon vor längerer Zeit im Papageienheim der ARGE Papageienschutz gekommen, erzählen die beiden. Als sie dort gesehen haben, mit welcher Leidenschaft die Vögel in die Voliere gehängte Kartonschachteln eben zerfetzen, dachten sie, dass es doch vielleicht spannend sein könnte, eine solche Kartonschachtel mit einem Tonabnehmer zu versehen. Das Nagegeräusch könnte so verstärkt und – bei gleichzeitigem Schleusen durch den Computer – auch elektronisch verfremdet werden. „Und damit haben wir auch schon ein Live-Instrument“, so Norbert Math.

Als der Künstler mit der fertig verkabelten Kartonschachtel schließlich die Voliere betritt ist auch Pauli prompt zur Stelle und bei der Sache. Ob die Papageien tatsächlich registrieren würden, dass sie es sind, die jenen Klang erzeugen, der dann aus den Boxen schallt, frage ich Math. Das würden sie schon vermuten, meint daraufhin dieser. Klingende Kartonschachteln würden jedenfalls mit noch mehr Leidenschaft zerfetzt, so ihre Beobachtung.

Begegnung mit einem Akkordeon

Gerade das große Interesse an dem Karton-Zerfetz-Instrument hätte auch zu einer Erweiterung des Klangspektrums geführt, schildert Andrea Sodomka. Entgegen ihrer ursprünglichen Annahme seien die Vögel rauen und noisigen Klängen gegenüber nämlich durchaus offen. Einmal haben alien productions die befreundete Musikerin Heidelinde Gratzl mit ihrem Akkordeon eingeladen.

„Wir haben lange überlegt, ob die Papageien sich vor diesem riesengroßen Instrument nicht vielleicht fürchten, das ja, wenn man es betätigt, wie ein riesengroßer Flügel aussieht“, so Sodomka. „Aber ganz im Gegenteil! Sie haben wunderbar mitgesungen und wollten mehr und mehr und mehr.“ „Eine Session war besonders spannend“, ergänzt Norbert Math. „Heidelinde Gratzl hat den Papageien immer wieder kleine Themen vorgespielt und die Papageien haben auf diese Themen geantwortet. Dabei konnte man den Dialog buchstäblich hören. Der Dialog hat sich in den Pausen manifestiert, in denen die Akkordeonistin und die Vögel eben aufeinander gehört haben. Man hört also auch das Hören.“

Nächste Station: CYNETART in Dresden

Die nächste Station nach den Kittenberger Erlebnisgärten in Schiltern wird unser ECAS Partner-Festival CYNETART in Dresden sein. Dorthin werden alien productions mitsamt ihrer interaktiven Klang-Voliere und den Graupapageien Mitte November reisen. Martin Breindl liefert einen ersten Ausblick.

„Ich glaube, dass diese Präsentation ganz wichtig ist für die zweite Phase des Projektes, weil wir hier nämlich zwei Dinge zusammenbringen werden, die wir in der Vergangenheit schon erarbeitet haben. Wie beim musikprotokoll im steirischen herbst werden wir weiter erforschen was passiert, wenn man die Tiere mit einem Publikum konfrontiert und ganz bewusst eine Art Konzertsituation schafft. Und unsere neuen Erkenntnisse über die Interaktion mit den Vögeln werden hier einfließen.“

Und mit Stolz kann ich zum Abschluss dieses Zwischen- und Nachberichts verkünden, dass alien productions beim CYNETART Festival auch einen Preis entgegennehmen werden. Für ihr Projekt metamusic haben sie nämlich die heurige „CYNETART arte CREATIVE Commission“ erhalten.

Gestaltung

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