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Adela Liculescu, Klavier

Die rumänische Pianistin Adela Liculescu hat an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien studiert. Konzerte führten sie bisher an die Philharmonie Berlin, die Philharmonie Gasteig München und ins Rumänische Athenäum Bukarest.

Was ist Kunst?

Victor Hugo hat gesagt, Musik würde ausdrücken, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist. Wenn ich das übertragen darf, ich glaube, Kunst, sei es Musik, bildende oder darstellende Kunst, sollte Ideen und Gefühle vermitteln, deren traditionellste Kommunikationsform – das Wort – nicht ausreicht. Das noch Schönere daran ist, dass jeder, der einem ein Kunstwerk begegnet, die künstlerische Idee durch seine eigene Erfahrung vervollständigen kann. Damit wird Kunst eine internationale „Sprache“, mit der jeder sofort etwas anfangen kann.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Meine Eltern und Großeltern wollten, dass ich als Kind einen weiteren Ausbildungshorizont bekomme und so habe ich schon im Alter von vier Jahren angefangen, verschiedene Kurse zu besuchen: Musik, Ballett, Malerei usw. So habe ich meine Liebe und Eignung für Musik entdeckt und niemand in meiner Familie hätte sich am Anfang vorstellen können, dass daraus so eine ernste Sache entstehen könnte.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Kunst kommt meiner Meinung nach von dem Glauben, etwas sagen zu haben. Man muss natürlich auch den Willen haben, um das zu verwirklichen, was man sich vorstellt. Auch das Können spielt natürlich dabei eine Rolle, weil ohne ausreichende technische Mittel kann man nicht die echte Freiheit haben, die künstlerische Fassung genau in der Form seiner eigenen Vorstellung zustande zu bringen.

Wo würden Sie am liebste auftreten?

Mein Traum ist, im Goldenen Saal des Musikvereins spielen zu dürfen. Der Musikverein ist für mich ein Tempel der Musik in der musikalischsten Stadt der Welt.

Mit wem würden Sie gerne zusammen arbeiten?

Ich spiele gerne mit allen Musikerinnen zusammen, mit denen ich die Gelegenheit habe. Mir fallen jetzt viele Namen ein, von KünstlerInnen, mit denen ich ganz aufgeregt wäre, zusammenarbeiten zu dürfen. Ein Beispiel dafür wäre das Quatuor Ébène, eines meiner Lieblings-Streichquartette, die ich sehr bewundere und schätze.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Man lebt in einer Welt, wo einem fast alles zur Verfügung steht, man muss nur eine Auswahl treffen. Und weil so viel angeboten wird, ergibt sich natürlich eine gewisse Konkurrenzsituation. Deshalb gibt es heute so viele KünstlerInnen, die so viele Vermarktungsaktionen unternehmen, um im Endeffekt auf sich aufmerksam zu machen.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Ich glaube, es gibt keine obere Grenze, weil es viele kulturinteressierte Menschen gibt, die man nur irgendwie erreichen muss. Optimistischerweise behaupte ich, dass jeder sich ein Publikum finden könnte.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Ich würde es wahrscheinlich in einen seltenen Kunstschmuck investieren.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

In einer vielseitigen musikalischen Welt: als Konzertpianistin, die auch kammermusikalisch tätig ist und vielleicht noch dazu unterrichtet.

Haben Sie einen Plan B?

Ich habe eigentlich nie ernsthaft daran gedacht. Ich könnte mir nur ein Leben in der Umgebung von Musik vorstellen. Was ich mir am weitesten entfernt von der Konzertkarriere, wovon ich träume, vorstellen könnte, wäre Projekte zu organisieren, wo man dem allgemeinen Publikum die E-Musik näher bringt. Und das würde ich eigentlich sehr gerne tun.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Ich hatte glücklicherweise keine beachtenswerten peinlichen Momente, die mir jetzt einfallen würden.

Wollen Sie die Welt verändern?

Die ganze Welt kann man leider nicht verändern, aber kleine Teile davon schon. Ein Beispiel: Ich finde es sehr schön, wenn etablierte KünstlerInnen, die schon international tätig sind, Ausbildungsprojekte in ihrem Heimatland führen (z.B. Meisterkurse und Kammermusikprojekte für den musikalischen Nachwuchs oder Festivals) und ich hoffe, dass ich in Zukunft so etwas auch in Rumänien veranstalten könnte.

08.01.2015

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