Nordkorea

Experten fragen sich seit Jahrzehnten, wann das nordkoreanische politische System zusammenbrechen wird. Rüdiger Frank, gebürtiger Leipziger, aufgewachsen in der Sowjetunion, ist Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens an der Wiener Universität. Seit 1991 hat er Nordkorea immer wieder besucht, viel über dieses Land publiziert und legt nun eine Monographie vor.

"Eine interessante historische Herleitung der koreanischen politischen Mentalität."

Es berührt seltsam, wenn man in einer Zeit, wo nur das zu erwartende Veto Chinas im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das Regime Kim Jong-uns vor einem Strafantrag vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag schützt, Rüdiger Franks umfangreiche Monographie über die "Innenansichten eines totalen Staates" liest. Da werden die Straflager in einem Absatz erwähnt, dessen Hauptinformation darin liegt, dass es Informationen gibt, denen zufolge die Zahl der Inhaftierten zurückgegangen sei.

Ist hier ein Kim Jong-un Versteher am Werk? Nordkorea ist eines der Forschungsgebiete Rüdiger Franks und er scheint einigen Ehrgeiz zu haben. Man muss ihm also zu Gute halten, dass einer, der sich in den "heiklen" Punkten der nordkoreanischen Realität nicht einigermaßen an die offiziellen Sprachregeln hält, wohl kaum die Möglichkeit hat, das Land regelmäßig zu besuchen.

Wenn man als Leser das Unbehagen zurückdrängt, bekommt man eine interessante historische Herleitung der koreanischen politischen Mentalität, der Sprünge in der ideologischen Entwicklung und die Dreiteilung der Macht zwischen Staat, Partei und Militär. Was man bei dieser "Innenansicht" nicht bekommt, ist etwa eine Auseinandersetzung mit dem von Überläufern gut dokumentierten Klassensystem Koreas, der wechselseitigen Überwachung und der Ausgrenzung von Menschen südkoreanischer Abstammung.

Service

Rüdiger Frank, "Nordkorea - Innenansichten eines totalitären Staates", Deutsche Verlags-Anstalt