Astronauten

Die 38-jährige Autorin Sandra Gugic pendelt zwischen ihrer Heimat Wien und ihrem Zweitwohnsitz Berlin. Ihr Debütroman "Astronauten" ist aber weder ein Wien- noch ein Berlin-Roman. Die Figuren schweben irgendwo dazwischen im luftleeren Raum.

Sämtliche Verbindungen zu ihrem bisherigen Leben haben die "Astronauten" in Gugics Buch verloren und müssen sich nun in der Schwerelosigkeit neu orientieren: Die beiden Jugendlichen Zeno und Darko, die sich aus der Schule kennen, Darkos Vater Alen, der schreibende Taxifahrer, dessen Freund Niko, ein junger Polizist, die rätselhafte Künstlertochter Mara, in die Darko verliebt ist und Alex, ein Junkie aus gutbürgerlichem Hause. Sie alle haben sich in der Unübersichtlichkeit der Großstadt verirrt.

Rastlosigkeit und Unruhe auf der einen Seite - Stillstand und Langeweile auf der anderen -, der Autorin gelingt es, diese beiden Pole sprachlich zu vereinen. Erzählt wird teilweise in überbordenden Bewusstseinsströmen - und obwohl über lange Strecken so gut wie gar nichts passiert, prasseln unzählige Eindrücke auf den Leser nieder.

Drei Jahre hat die ausgebildete Grafikdesignerin Sandra Gugic am Buch gearbeitet, den Text wieder und wieder zerlegt, analog und digital bearbeitet, Teile verworfen und umstrukturiert, assoziativ Fragmente und Fotografien gesammelt. Das bemerkenswerte Ergebnis ist durchaus fordernd, aber nicht überkonstruiert.

Service

Sandra Gugic, "Astronauten", Roman, C.H. Beck Verlag