Im Frühling sterben

In den 1990er Jahren wurde Ralf Rothmann durch seine Ruhrgebietstrilogie "Stier", "Wäldernacht" und "Milch und Kohle" bekannt. In seinem neuen Werk "Im Frühling sterben" dient die Familiengeschichte des Autors nicht nur der eigenen Verortung, sondern auch als gesellschaftlicher Spiegel.

Weißes Buchcover mit braunen Zweigen

SUHRKAMP

Der 1953 geborene Rothmann versucht dabei, das Schweigen eines Vaters über dessen Kriegserfahrungen in die Literatur zu überführen. Damit verleiht er auch einer Grunderfahrung der Kinder, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, Ausdruck.

"Eine Sprache, die nicht immer alles offenlegt aber gerade dadurch eine besondere Wirkung entfaltet"

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Ralf Rothmann, "Im Frühling sterben", Roman, Suhrkamp Verlag

Zwei junge Männer werden in den letzten Kriegstagen im Frühjahr 1945 zwangsrekrutiert: Walter Urban und Fiete Caroli sind gerade mal 17 Jahre alt und arbeiten als Melker in Norddeutschland. Walter hat mit Politik nichts am Hut, er ist in die schöne Elisabeth verliebt und versucht, ihr näherzukommen. In der Figur des Walter finden sich Züge von Ralf Rothmanns Vater.

Die beiden jungen Männer finden sich plötzlich an der Front wieder. Während der pragmatische Walter als Fahrer für die SS tätig ist, kommt Fiete mit dem rauen Soldatenleben nicht zurecht - und fasst den folgenschweren Entschluss, zu desertieren. Walter, der sich für ein paar Tage freistellen ließ, um das Grab seines Vaters zu suchen, erfährt bei seiner Rückkehr zur Truppe, dass man Fiete gefangen genommen und zum Tod durch Erschießen verurteilt hat.

All das erzählt Rothmann in einer feinen, leisen Sprache, die ganz absichtlich hinter der Wucht der Handlung zurücktritt; einer Sprache, die nicht immer alles offenlegt aber gerade dadurch eine besondere Wirkung entfaltet. Und schließlich wirft das Buch eine große Frage auf, die sich jeder Leser selbst beantworten muss, nämlich: Was hättest du in dieser Situation getan?