Als die Soldaten kamen

Mit ihrem gründlich recherchierten Buch leistet Miriam Gebhardt zum ersten Mal eine differenzierte und umfassende Aufarbeitung eines von der Geschichtsschreibung bisher vernachlässigten Themas: der Vergewaltigungen deutscher Frauen im sogenannten "Nachkrieg", in der Zeit zwischen 1944 und 1955.

"Miriam Gebhardt ist nicht nur ein informatives, sondern auch ein gut geschriebenes und überzeugendes, plausibel argumentierendes Buch gelungen."
Wolfgang Seibel

Anna K., 1932 in Ostpreußen geboren, und ihre Familienmitglieder wurden in der Nacht vom 27. April 1945 durch laute Rufe und Schreie wach. Als sie vor die Türe traten, erkannten sie sowjetische Soldaten, und ehe sich Anna versah, wurde sie von einem von ihnen weggezerrt. Der Soldat stieß die Dreizehnjährige in einen Keller, knebelte sie mit einem Lappen und rief seine Kameraden. Dann vergingen sie sich an ihr. "Es war sehr furchtbar", wird sie später in einem Bericht schreiben, "wie ich dann nachher zu meinen Eltern wiedergekommen bin, weiß ich nicht mehr."

Nach der Vergewaltigung musste Anna fliehen. Sie erkrankte an Typhus, kümmerte sich nach dem Krankenhausaufenthalt um ihre Familie und erlebte, wie ihr Vater und vier Geschwister innerhalb eines Monats in Folge der Hungersnot starben. Sie schlug sich mit Diebstählen durch, wurde bei Behörden auffällig und landete in der Besserungsanstalt. Amtliche Diagnose: "sexuelle Verwahrlosung".

Die Geschichte der Anna K. kann man nachlesen bei Miriam Gebhardt. Ihr Buch "Als die Soldaten kamen" belegt, dass dieser Fall kein Einzelfall war, dass es eine Fülle solcher erschütternder Schicksale gab.

Mit ihrem Buch will Miriam Gebhardt die Opfer der Vergewaltigungen, die "keine öffentliche Anerkennung, geschweige denn eine Entschuldigung erhalten haben", wie sie sagt, rehabilitieren. Überzeugt davon, dass kollektive Traumatisierungen nachhaltig und "über mehrere Generationen hinweg wirken können", will sie zugleich wichtige Erinnerungsarbeit anstoßen.

Denn nur durch das Wissen um die Massenvergewaltigung im Nachkrieg, so die Autorin, nur durch das Wissen um eine Anna K. und ihre Geschichte, könne sich "die 'Gesellschaft der Überlebenden' von dem damals entstandenen Leid erholen".

Service

Miriam Gebhardt, "Als die Soldaten kamen", Deutsche Verlags-Anstalt