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Neue Heimat

Flüchtlinge als Nachbarn

Die weißrussische Künstlerin Marina Naprushkina hat im Sommer 2013 in Berlin eine Nachbarschaftsinitiative gegründet, jetzt hat sie ihre Erfahrungen aus dem Alltag mit den Flüchtlingen in einem Buch gesammelt: Amtswege, Arztbesuche, Kindermalnachmittage, gemeinsames Kochen. Ein Tagebuch der anderen Art.

Kontext, 22.01.2016

Uli Jürgens

Marina Naprushkina wurde in der weißrussischen Hauptstadt Minsk geboren. Sie studiert Kunst und kommt mit Anfang 20 nach Karlsruhe, später zieht sie nach Berlin. Vor zwei Jahren lernt sie mehrere Flüchtlingsfrauen kennen, die ganz in der Nähe in einer Notunterkunft, einer ehemaligen Schule, untergebracht sind. Es dauert, bis die Frauen Vertrauen fassen.

Es sind zwei Geschichten, die die Autorin in kurzen Sequenzen in diesem Buch erzählt: auf der einen Seite steht Marina Naprushkina, die Künstlerin, die beim Übersetzen hilft und Malkurse für die Kinder gibt, auf der anderen steht die politische Aktivistin, die sich gegen eklatante Missstände im Flüchtlingsheim auflehnt und versucht, die Kommunalpolitik wachzurütteln. Gemeinsam mit Politikern besucht sie das Heim.

Hier wird nicht angeprangert und nicht verurteilt. Und das ist auch nicht notwendig. Hier werde unsentimental und nüchtern erzählt, und dennoch zeige dieses Buch wie kaum ein anderes die Herzlosigkeit, die Unbarmherzigkeit und die Geschäftemacherei mit den Flüchtlingen, schreibt Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung in seinem wunderbaren Vorwort, das man auf keinen Fall überblättern sollte. Das Buch sei ein Lehrbuch für Menschlichkeit, und ein Aufruf für eine neue Ausländer- und Flüchtlingspolitik. Dem ist nichts hinzuzufügen.

22.01.2016

Service

Marina Naprushkina, "Neue Heimat? Wie Flüchtlinge uns zu besseren Nachbarn machen", Europa Verlag Berlin

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