Neuer Roman von Dzevad Karahasan

Dzevad Karahasan ist einer der bedeutendsten bosnischen Erzähler der Gegenwart. Sein neuer Roman "Der Trost des Nachthimmels" ist ein Meisterwerk über die Blüte und den Zerfall eines islamischen Reiches.

Doch es ist nicht nur ein weiterer historischer Roman. Karahasan wäre nicht Karahasan, lieferte er damit nicht zugleich eine Allegorie auf die Gegenwart. Sein Roman zeigt, wie ein religiöser Fundamentalismus eine blühende, von Vielfalt und Toleranz geprägte Epoche zerstört.

Morgenjournal, 2.2.2016

Ursprünglich war "Der Trost des Nachthimmels" als essayistischer Text über den persischen Astronomen und Mathematiker Omar Khayyam gedacht, den Erfinder des bis heute gültigen Kalenders. Doch was Karahasan nun vorlegt, ist etwas ganz anderes: "Um den Menschen zu begreifen, musste ich die ganze Epoche rekonstruiere."

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Dzevad Karahasan, "Der Trost des Nachthimmels", Suhrkamp

Sittengemälde Isfahans

Und so erschafft Karahasan ein prächtiges Sittengemälde Isfahans als Zentrum des mächtigen Seldschuken-Reiches im 11. und 12. Jahrhundert. Am Ende ist "Der Trost des Nachthimmels" weder ein historischer Kriminalroman, noch die literarische Biografie eines der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit. Karahasan liefert ein epochales Meisterwerk über die Macht des Verdachts, den Ursprung der Geheimdienste und des politischen Terrorismus.

Angst als Triebkraft der Politik

Der Roman setzt sich auch mit der Angst als Triebkraft der Politik und gesellschaftlicher Entwicklungen auseinander. "Die wirkliche Gefahr heute in Europa ist die Radikalisierung der Europäer durch Ängste, denn Angst versklavt uns am schrecklichsten", erkärt der Autor.

Dzevad Karahasan hat einen hoch spannenden, politisch brisanten Roman geschrieben. Einen Roman, der allen Leserinnen und Lesern, insbesondere aber jenen, die in politischer Verantwortung stehen, ans Herz gelegt sei.

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