"Keine Notwendigkeit für Kanzler-Debatte"
Die Österreichischen Bundesbahnen haben 2015 ihr bisher bestes Ergebnis erzielt. Die Bilanz, die im April vorgelegt wird, wird das zeigen. Vorstandsvorsitzender Christian Kern kann mit dem Anspruch wirtschaftlicher Kompetenz in dieses Jahr gehen, das politisch brisant werden könnte - und auch da gilt Christian Kern als zentrale Figur in den Personaldiskussionen der SPÖ.
8. April 2017, 21:58
APA/HERBERT NEUBAUER
Mittagsjournal, 27.2.2016
Im Gespräch mit Edgar Weinzettl lässt der ÖBB-Chef zwar keinen Zweifel an seiner politischen Überzeugung und der Solidarität mit der SPÖ, ebensowenig aber daran, dass die ÖBB den Österreichern gehört und er mit vollem Elan die Bahn auf Zukunftsschienen stellen will - auch mit dem Anspruch, Menschenwürde hochzuhalten. Und da ist Christian Kern stolz darauf, was die Eisenbahner in der Flüchtlingsfrage geleistet haben.
Die Österreichischen Bundesbahnen bilden derzeit rund 150 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in ihren Lehrwerkstätten aus. So wie auch der Chef des Arbeitsmarktservice Johannes Kopf sieht auch ÖBB-Chef Christian Kern die Einführung von „Asyl auf Zeit“ - also dass nach 3 Jahren Flüchtlinge wieder in ihr Heimatland abgeschoben werden können - sehr kritisch: „Wenn man bedenkt, dass die Ausbildung zumindest drei Jahre dauert, wäre es natürlich unsinnig , wenn man bei einem beschränkten Aufenthaltstitel den Aufwand und die Zeit investieren würde.“
Die Sinnhaftigkeit von "Asly auf Zeit“ hält Kern für eine gesellschaftspolitische Frage. "Wenn es um Berufsausbildung geht oder Integration von Facharbeitern und Arbeitskräften in unser Unternehmen, dann ist es notwendig, dass sich die einen längeren Zeitraum an uns binden.“
Die ÖBB werden laut Vorstandschef Christian Kern 2015 ihr bisher bestes Ergebnis erzielen, allerdings bei einem Schuldenstand von rund 22 Milliarden Euro. Offiziell gibt es die Zahlen erst im April, aber nach einem Gewinn vor Steuern von 171 Millionen Euro im Jahr 2014 soll es diesmal in Richtung 200 Millionen-Euro-Grenze gehen, bestätigt der ÖBB-Boss.
Mit diesem Ergebnis kann Kern mit breiter Brust in dieses auch für ihn möglicherweise politisch brisante Jahr gehen. Nach wie vor wird Kern von vielen als SPÖ-Anwärter fürs Kanzleramt gehandelt, sollte die Bundespräsidentschaftswahl für die SPÖ schon vor einer Stichwahl enden. Dazu hält sich Kern aber naturgemäß weiter bedeckt: „Wir haben einen Bundeskanzler, der in einer schwierigen Zeit das Land führt. Ich sehe keine Notwendigkeit, eine Debatte zu führen.“
Zudem mache ihm sein Job bei den ÖBB "große Freude". Kern: "Ich bin dankbar, dass ich diese Aufgabe habe und habe vor, die noch länger auszuführen."
