Nukleare Katastrophen und ihre Folgen

Dieses Frühjahr jähren sich zwei große Katastrophen, der nukleare Reaktorunfall in Fukushima vor fünf Jahren im März und jener in Tschernobyl vor 30 Jahren am 26. April. Der Sammelband "Nukleare Katastrophen und ihre Folgen" von Wolfgang Liebert, Christian Gepp, David Reinberger liefert Aufsätze von der historischen Entwicklung der Kernenergienutzung, der Frage nach technischem oder menschlichem Versagen bis hin zu den Konsequenzen nach den Reaktorunfällen.

Kontext. 22.04.2016

Riesenbohnenhaus - so hat eine japanische Pädagogin ihren Waldorfkindergarten genannt, der 60 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt lag. Die schwierige Situation der Kindergärtnerin ist nur ein Beispiel für die schwerwiegenden sozialen Folgen nach der Atomkatastrophe im März 2011, die die Autorin und Radiojournalistin Judith Brandner im Sammelband beschreibt.

Im März hat Sadako Monma ihren Kindergarten wohl auch aus finanziellen Gründen geschlossen. Sie überlegte, aus der Präfektur Fukushima wegzuziehen, ein Plan, der vage klingt, schreibt Judith Brandner. Gleichzeitig sollen bis März 2017 viele Menschen wieder in die Dörfer und Städte im Umkreis des AKW zurückgesiedelt werden. Überall wird dekontaminiert, beschreibt die Autorin, als sie die Präfektur Fukushima besucht. Auch nach Iidate-Mura, das sich in der 30-50 Kilometerzone des AKW-Fukushima befindet, sollen die Bewohner zurückkommen. Der Ort wurde 2011 mit großer Verzögerung evakuiert, das Altersheim von Iidate überhaupt nicht, schildert Judith Brandner. Sie hat das Gebiet von Iidate-Mura gemeinsam mit einem pensionierten Physiker besucht.

Laut einer aktuellen Studie von Greenpeace ist derzeit nur ein Viertel des Gebiets dekontaminiert. Würden die Menschen in ihre Orte zurückkehren, wären sie einer bis zu 20-fach überhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt. Aber, schließt Judith Brandner, von den japanischen Behörden erfahren die Bauern nicht, dass sie wohl nie wieder Landwirtschaft betreiben werden können. Im August 2015 ist Japan zur Atomenergie zurückgekehrt, die Mehrheit der Bevölkerung ist laut Umfragen für einen Ausstieg aus der Atomenergie.

Uneinigkeit herrscht auch über die Folgen des Atomunfalls für die Gesundheit. Eine umwelthygienische Bilanz nach Tschernobyl und Fukushima ziehen Hans-Peter Hutter, Michael Kundi, Hanns Moshammer und Peter Wallner vom Institut für Umwelthygiene an der Medizinischen Universität Wien. Sie thematisieren die chaotische Informationspolitik der japanischen Behörden und die bis heute anhaltende Diskussion in Japan, ob man öffentlichen Zahlen überhaupt trauen kann.

Service

Wolfgang Liebert, Christian Gepp, David Reinberger (Hrsg.), "ukleare Katastrophen und ihre Folgen. 30 Jahre nach Tschernobyl, 5 Jahre nach Fukushima", Berliner Wissenschafts-Verlag