Jugendbuch des Monats: "Im Jahr des Affen"

Die vielfach ausgezeichnete Autorin Que Du Luu erzählt in ihrem neuen Roman eine Geschichte übers Erwachsenwerden, über Freundschaft, Liebe, über Minderheiten und Identität, über den Verlust und das Finden von Heimat. Diese Banane hat ziemlich viele Schalen.

Karin Haller

Service

Que Du Luu, "Im Jahr des Affen", Hamburg: Königskinder Verlag 2016
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren

Que Du Luu

Mini weiß nicht genau, wer sie ist. Sie spricht akzentfrei Deutsch, ist offensichtlich chinesischer Abstammung, versteht jedoch nicht alles, was ihr Vater auf Kantonesisch sagt. Ihr Leben zerfällt in zwei Teile: In dem einen geht sie zur Schule und mit ihren Freundinnen in die Disko, und im anderen führt sie den Haushalt, hilft ihrem Vater, der rund um die Uhr in seinem Restaurant arbeitet. Dabei kommen Vater und Tochter ganz gut miteinander aus, reden nur das Nötigste miteinander und wissen nur wenig voneinander.

Bis der Frühsommer 1992 zeigt, was er kann: Das Jahr des Affen, das sich im chinesischen Horoskop durch Veränderung auszeichnet, so wie ein Affe immer in Bewegung ist. Nicht nur, dass Mini Bela kennenlernt und sich in ihn verliebt, ihr Vater erleidet einen Herzinfarkt, und Onkel Wu kommt aus Australien zu Besuch. Plötzlich erfährt Mini Teile aus der Geschichte ihres Vaters, Hintergründe der damaligen Flucht, die ihr völlig unbekannt waren.

Die Biografie der Autorin, die selbst 1973 in Vietnam geboren wurde, mit ihrer Familie geflohen und in Herford aufgewachsen ist, weist ganz offensichtliche Parallelen zum Plot auf. "Das Jahr des Affen" ist jedoch keine Autobiografie, und der Text sollte sich nicht nur auf eine Geschichte über Flucht und Migration reduziert werden.