Jerusalem wird verkauft oder Gold auf der Straße

Im Ersten Weltkrieg waren k.u.k. Truppen in Jerusalem stationiert - mit ihnen der gebürtige Wiener Mosche Ya'akov Ben Gavriel. Nach eigenen Tagebuchaufzeichnungen verfasste er den Roman "Jerusalem wird verkauft". Nun liegt die deutsche Erstausgabe des 1946 erschienenen Werkes vor.

Stefan May

Service

Mosche Ya'akov Ben-Gavriel, "Jerusalem wird verkauft oder Gold auf der Straße", Roman, Arco Verlag

Schon die ersten Eindrücke in Jerusalem zeigen Leutnant Dan die Diskrepanz zwischen Einwohnern und den österreichischen Offizieren. Dies schildert der Autor bildreich und mit viel Mitgefühl. Insgesamt ergibt das die großartige Beschreibung einer bizarren und unbekannten, deshalb aber umso interessanteren Epoche des an sein Ende gelangten Altösterreich.

Der Autor übersiedelt 1927 nach Palästina und tauscht seinen Namen Eugen Hoeflich gegen Mosche Ya'akov Ben Gavriel. Zeitlebens kämpft er für die Idee des Pansemitismus und eines gemeinsamen Asiens; er schreibt aber weiter auf Deutsch. 1946 erscheint "Jerusalem wird verkauft" auf Hebräisch.

Dass dieses kleine literarische Juwel nun auch in deutscher Sprache erschienen ist, verdankt sich der Initiative "Europa in Israel", einer neuen Reihe des Arco-Verlags, an der drei Institutionen beteiligt sind: Das Archiv der National Library of Israel in Jerusalem, die Walter A. Berendsohn Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur der Universität Hamburg und das Zentrum für Jüdische Studien der Universität Basel.

Der Grund für die Initiative liegt in den literarischen Schätzen, die in israelischen Archiven lagern. Viele jüdische Autoren und Autorinnen, die vor den Nationalsozialisten nach Palästina geflohen waren, schrieben weiterhin auf Deutsch, weil sie des Hebräischen nicht mächtig waren. Doch Deutsch war im späteren Israel die Sprache der Täter, die nur selten übersetzt wurde. Diese Literatur soll nun schrittweise erforscht werden.