Sarah Oswald

PRIVAT

Sarah Oswald, Grafik

Sarah Oswald, geboren 1989 in Innsbruck, lebt und arbeitet in Salzburg als bildende Künstlerin und
Grafikerin. Sie studiert Germanistik in der Paris-Lodron-Universität und Bildnerische Erziehung am
Mozarteum bei Beate Terfloth. Seit 2011 ist sie Co-Herausgeberin und Gestalterin der Zeitschrift für Literatur und Kultur "mosaik" und seit 2012 Teil des Kunstkollektivs "Bureau du Grand Mot".

Was ist Kunst?

Diese Frage wird mir oft gestellt und ich antworte eigentlich immer damit: eine Fragestellung, der so viel Wert beigemessen wird, dass man kurzzeitig oder auch über einen sehr langen Zeitraum hinweg für oder in ihr lebt und daraus etwas entstehen lässt. Kunst ist eben nicht nur das, was entsteht, sondern auch das Fragen und Drin-Leben. Für mich selbst ist Kunst fühlen und schreien und anfassen und lieben.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Zeichnen habe ich schon immer geliebt, doch als Kind wollte ich immer Botanikerin werden. In einem Malereibedarf in Graz fiel mir dann auf, wie wunderbar es sich anfühlt, Papier und Stifte anzufassen und wie aufgeregt es mich machte, die plötzlich erscheinenden Ideen auch auf Papier umsetzen zu können. Von da an wollte ich Künstlerin werden. Meine Ausbildung führte mich dann aber in eine andere Richtung: Germanistik und Italienisch auf Lehramt. Diese Entscheidung hielt ich auf Dauer nicht durch und so ging ich nach Salzburg, um dort Kunst zu studieren.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Für mich selbst sicher von "müssen". Ich merke immer, wie unruhig ich bin, wenn ich eine Idee habe und keine Zeit, sie umzusetzen. Das ist fast wie ein Zwang. Das hängt aber auch mit "wollen" zusammen. Das "Können", wenn ich es mit Handwerk gleichsetze, sehe ich nicht als Voraussetzung für gute Kunst.

Wo würden sie am liebsten ausstellen? ?

Dort, wo es viele Leute sehen können. Und ganz besonders gern an Orten, wo meine Kunst Menschen trifft, die nicht unbedingt die Intention hatten, sie zu rezipieren. Daraus entstehen wunderbare Diskussionen, Geschimpfe und auch viel Positives. Das mag ich.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Valie Export und Sarah Lucas.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Es braucht den Markt wohl, damit man mit Kunst überhaupt Geld verdienen kann. Aber ich ärgere mich wahnsinnig über dieses Hypen von einzelnen Künstlern (und ich schreibe hier absichtlich die männliche Form) und das Ungleichgewicht, das da herrscht.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Ich glaube, es kann niemals genug Kunst in unserer Gesellschaft geben.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

"Klump" (unnutzes Zeug) auf dem Katzen abgebildet sind.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Hoffentlich einmal wirklich beim Geldverdienen. Am liebsten mit den Dingen, die mir Freude bereiten: mit der Literaturzeitschrift mosaik und meiner Kunst.

Haben Sie einen Plan B?

Den Lehrberuf, ein Grafikbüro oder den Kulturbetrieb.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Letztens in einer Bar, wo ich lautstark die Wichtigkeit, die Sprache weiblicher zu machen (erster Anfang: gendern), betont habe. Da waren nicht alle d'accord mit mir ("Gibt ja Wichtigeres!" "Man kann des ja nimma lesn, wenn so viel gegendert is."). Und meine Ausstellung "Gnaggbeißn", in der es um Sexualität ging, ist bestimmt auch nicht bei jeder und jedem "angenehm" in Erinnerung.

Wollen Sie die Welt verändern?

Utopisch, aber ja. Im Kleinen. Ich würde gern so viele Leute in meinem Umfeld zum Fühlen bringen. Sie sollen mit ihrem ganzen Körper fühlen anfangen. Ich glaube, das würde so viel ausmachen.