Wahlkampf-Roman von Marlene Streeruwitz

Für Ende September ist der neue Roman von Marlene Streeruwitz, "Yseut.", angekündigt. Bevor es soweit ist, macht die österreichische Autorin ihrem politischen Unmut literarisch Luft: In dem Fortsetzungsroman "So wird das Leben", den sie seit Anfang August auf ihrer Website publiziert, untersucht Streeruwitz die Auswirkungen der Politik auf das Leben ihrer Romanfiguren.

Frau mit längeren grauen Haaren

APA/GEORG HOCHMUTH

Kulturjournal, 31.8.2016

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Marlene Streeruwitz, "Yseut.", Roman, S. Fischer Verlag, Erscheinungsdatum 22. September 2016

Marlene Streeruwitz - So wird das Leben

Was hat die Politik mit der Zukunft vor?

Wie schlagen sich politische Maßnahmen im täglichen Leben nieder? Das führt Marlene Streeruwitz anhand von Romanfiguren vor - in einem Fortsetzungsroman zum aktuellen Wahlkampf. "Bei der Wiederholung der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten steht die Entscheidung für oder gegen die Demokratie an", schreibt Marlene Streeruwitz in einer kurzen Vorrede zu dem Projekt und sie erklärt: "Ich sehe nicht, dass das jemand begreift, dass wir hier an einem Kreuzweg stehen. Die Frage ist, ob wir die Demokratie der Gleichen weiter haben werden, oder eine völlig andere Staatsform. Das ist genau der Punkt, der politisch so etwas wie eine neue Gründungsstunde sein wird."

Soziale Grundrechte nur noch für Österreicher und EU-Bürger

Marlene Streeruwitz verweist auf das "Handbuch freiheitlicher Politik", hier ist festgeschrieben, dass soziale Grundrechte nur noch für Österreicher und EU-Bürger gelten sollen. "Das Projekt der Freiheitlichen Partei sieht vor, dass wieder Autochthonie eingeführt wird, das heißt, dass eine Person drei Generationen Eingeborenen-Sein nachweisen muss. Das ist eine Entmachtung und eine Entmächtigung von ungeheurem Ausmaß."

Vroni und die Wutbürger

In der ersten Folge des Wahlkampfromans lernen wir Vroni kennen: Sie lebt in einem Wiener Mietshaus in der Wohnung ihres Großonkels und muss sich mit dem Nachbarn Dr. Crobath herumschlagen, einem Wutbürger, der auf "eine neue Ordnung hofft". Vor eben dieser neuen Ordnung fürchtet sich Vronis Mutter: als gebürtige Slowenin hat sie Angst, die Sozialleistungen des österreichischen Staates zu verlieren. "Das sind alles Entwürfe", sagt Marlene Streeruwitz dazu, "und ich nehme ja an, dass es nicht so weit kommen wird, aber trotzdem ist es wichtig, jetzt einmal auszuarbeiten, was das alles bedeutet."

Fünfte Folge

Morgen ist es so weit. Jeden Donnerstag um 20 Uhr wird eine neue Folge online gestellt. Eine Forschungsanordnung nennt Streeruwitz ihr literarisches Verfahren. Cliffhanger inklusive. "Ein bissl reißerisch möchte ich schon auch sein. Darauf hat schon Charles Dickens in seinen Fortsetzungsromanen gesetzt und der ist ja nicht das schlechteste Vorbild", meint Marlene Streeruwitz.

Zum Abschluss jeder Folge des Wahlkampfromans gibt es eine Widmung an Frauen, die Opfer von Unterdrückung, Verfolgung und Terror wurden - "der Hinweis auf eine Welt, in der es noch einmal ganz anders zugeht: und dass wir unsere Ruhe und unseren Frieden bewahren sollten." Das Genre des Fortsetzungsromans ist hier jedenfalls ein eindrucksvolles Mittel direkter politischer Mitteilung.

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