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Kultur

Schräger Roman von Tex Rubinowitz

Eigentlich heißt er ja Dirk Wesenberg. Bekannt geworden ist er allerdings unter einem Pseudonym, das er sich Mitte der 1980er Jahre als Hommage an einen texanischen Rockabilly-Sänger zugelegt hat: Tex Rubinowitz.

Der 55-jährige Norddeutsche, der seit den Achtzigerjahren in Wien lebt, hat sich als Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller einen Namen gemacht. 2014 gewann Rubinowitz den Hauptpreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. Dieser Tage erscheint ein neuer, schräger Roman des humorbegabten Autors: "Lass mich nicht allein mit ihr".

Mittagsjournal, 17.2.2017

Günter Kaindlstorfer

"Für mich ist 55 ein Wartesaal"

Tex Rubinowitz ist in einem Alter, in dem manch ein Generationsgenosse bereits über einen stilvollen Übergang in die Altersteilzeit nachdenkt. Nicht so der quirlige Norddeutsche, der sich auch im sechsten Lebensjahrzehnt etwas irrlichternd Teenagerhaftes bewahrt hat. Wie fühlt es sich für Tex Rubinowitz an, 55 zu sein?

"Es ist noch nicht sechzig. Aber in fünfzehn Jahren ist man siebzig", sagt Tex Rubinowitz. "Es ist ein eigenartiger Wartesaal, das kommt ja auch im Buch vor. Man wartet darauf, dass man irgendwann aufgerufen wird, wozu auch immer. Dass jetzt die Krankheiten kommen, oder dass der Tod kommt, dass man sich neu verliebt oder die Katze stirbt oder so. Für mich ist 55 ein Wartesaal."

Raum für Interpretationen

In dem man sich die Zeit mit dem Schreiben von Romanen vertreiben kann. "Lass mich nicht allein mit ihr": Das ist ein schwindelerregender Trip durch die kunstvoll konfuse Gedankenwelt des Tex Rubinowitz. Im Brennpunkt des Geschehens steht ein fiktiver Schriftsteller namens: Tex Rubinowitz.

Schwer zu sagen, worum es auf den 286 Seiten dieses Romans eigentlich geht. Die jugendliche Abba-Sucht des Autors und eine missglückte London-Reise kommen ebenso zur Sprache wie diverse Schreib- und sonstige Krisen des Autors:

"Man darf das alles natürlich nicht zu ernst nehmen. Viele Leute wollen dann halt das Biografische rausfiltern. Die sagen dann: Ah, so ist der. Oder: diesen Sex hat der, oder diesen Sex hat er nicht. Es kommt ja sehr viel Sex vor im Buch, und ein Toter, auch viel Gewalt. Es sind die verwischten Grenzen, die Spaß machen. Und das ist ja eigentlich die Aufgabe, die Grenzen so zu verwischen, dass die Leute Dinge hineininterpretieren können."

TV-Diva Anja Kruse

Eine prominente Rolle hat Tex Rubinowitz in seinem Roman - ohne sie zu fragen - der deutschen Film- und Fernseh-Queen Anja Kruse zugedacht. Kruse hat einst, in den quotentstarken Achtzigern, in Serien wie dem "Traumschiff" und der "Schwarzwaldklink" brilliert. Bei Tex Rubinowitz wird die Hauptabenddiva in einen bizarren Kriminalfall verwickelt. Anja Kruses Karriere verfolgt der TV-Junkie Rubinowitz seit Jahrzehnten.

"Ich finde, sie sieht schön aus, sie ist attraktiv, aber ich habe jetzt keine emotionale Bindung zu ihr wie zum Beispiel zu Hildegard Knef, die ich wirklich ganz toll finde. Und ich glaube, das ist auch das Gute daran, dass man mit so einem Ausgangsmaterial, einer solchen Ausgangsperson, zu der man keine emotionale Bindung hat, eine Emotionalität erzeugen kann, eine Pseudo-Emotionalität", so Rubinowitz.

Abgedreht & schräg

Wer es literarisch eher apollinisch-diszipliniert mag, sollte um Tex Rubinowitz aktuelles Prosawerk einen weiträumigen Bogen machen. Wenn man allerdings eine Präferenz für abgedrehte, möglichst schräge Autoren hat, dann ist man bei Rubinowitz an der richtigen Adresse. Sein neuer Roman "Lass mich nicht mit ihr allein" ist im Rowohlt-Verlag erschienen.

17.02.2017

Service

Tex Rubinowitz, "Lass mich nicht allein mit ihr", Roman, Rowohlt-Verlag, 286 Seiten

Am 2. März (19:00 Uhr) stellt der Autor sein Werk in Wien vor
Buchkontor - 15, Kriemhildplatz 1

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