Standort: oe1.ORF.at

Talentebörse

Lajos Toth, Klavier

Der ungarische Jazz-Pianist Lajos Toth, geboren 1990, studiert an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Gemeinsam mit dem slowenischen Bassisten Miha Koren, dem steirischen Saxophonisten Tobias Pustelnik und dem brasilianischen Schlagzeuger Luis Andre Carneiro de Oliveira gründete er das "Lajos Toth Quartet".

Was ist Kunst?

Meiner Meinung nach ist Kunst eine Tätigkeit, bei der man die Emotionen und Gedanken ausdrücken kann. Klavierspielen ist für mich eine Welt, in der ich mich wirklich frei fühle. In schwierigen Zeiten kann Musik die beste Unterstützung sein.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Meine Eltern sind selbst keine Künstler, haben aber die Musik so geliebt, dass meine zwei Geschwister und ich eine starke Verbindung zur Musik aufbauen konnten. Ich war 9 Jahre alt, als meine Eltern mein Talent endeckt haben. Ich konnte Melodien von Radio- oder Fernsehsendungen nachspielen auf dem alten Keyboard, das meinem Vater gehörte. Dann habe ich angefangen Klavier zu lernen.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Ich denke, Kunst kommt von können und Talent, aber man braucht auch einen ruhigen Bereich, wo man emotionell frei sein kann. Wenn ich gestresst bin oder andere Dinge im Kopf habe, die meine Konzentration stören, ist die Kunst oft weg.

Wo würden sie am liebsten auftreten?

Ich habe keine besonderen Wünsche, es wäre aber sehr cool, wenn ich in allen Jazz Clubs der Welt spielen könnte. Ich mag dieses sogenannte Klubgefühl. Der Klang ist gut geeignet für kleinere Gruppen, und es gibt genug Publikum, sodass ich mich gut fühle.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Es gibt so viele ausgezeichnete berühmte Musiker, und noch mehr tolle Musiker, die nicht so bekannt sind. Ich freue mich immer, wenn ich mit neuen Musikern spielen kann.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Kunst braucht normalerweise keinen Markt, aber wenn ein Künstler Publikum braucht, dann es geht nicht ohne Markt. Es gibt Leute, die im Selbstmarketing recht talentiert sind – für die es ist nie ein Problem. Ich lerne das durch meine Erfahrung. Es gibt Zeiten, in denen ich mich der Organisation mehr widmen kann und andere, in denen ich nicht dazu komme oder in denen die Organisation langsam und schwierig vorangeht. Wenn ich auf der Bühne stehe, vergesse ich diese Sachen natürlich. Ich denke, wenn man immer genug Zeit zum Üben hat neben den organisatorischen Dingen, dann ist das kein Problem.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Es gibt leider zu viel Angebot und so viele Leute die kein Interesse haben für Kunst. Im Jazz ist es noch schwieriger.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich möchte in zehn Jahren einen guten Job als Musiklehrer in einer öffentlichen Musikschule, und natürlich nebenbei viel spielen. Und ich möchte eine Familie mit meiner Verlobten gründen.

Haben Sie einen Plan B?

Wie bereits erwähnt, ist Musikunterricht mein Plan B, weil ich es mag zu unterrichten und ich denke auch, dass ich Talent dazu habe. Zunächst möchte ich aber erfahren, wie das Leben eines Musikers ist, der immer spielt.

Wollen Sie die Welt verändern?

Es wäre gut für die Künstler, wenn die Leute (vor allem junge Leute) mehr Interesse für Kunst hätten. Es gibt so viele Schwierigkeiten im Leben, sodass die Menschen oft keine Energie mehr für Kunst haben. Sogar in armen Ländern. Wenn alles ein bisschen leichter wäre, könnten die Leute der Kunst mehr Aufmerksamkeit schenken.

22.02.2017

Mehr dazu auf oe1.orf.at

Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick