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Gesellschaft

Die Fotokünstlerin Tanya Traboulsi

Für die Illustration der "Nebenan"-Reihe zum Libanon hat oe1.ORF.at die österreichisch-libanesische Fotokünstlerin Tanya Traboulsi gewinnen können. Alle Bilder der Online-Geschichten zu diesem Schwerpunkt stammen aus ihrem reichhaltigen Archiv und wurden von ihr ausgewählt.

1976 in Klagenfurt geboren, hat Traboulsi ihre Kindergartenjahre in Beirut verbracht. Nach der Schulzeit in Österreich ist die Tochter eines Libanesen und einer Österreicherin ab 1995 immer wieder für längere Phasen in den Libanon gezogen. Beeinflusst wurde diese Entscheidung auch durch starke nostalgische Kindheitserinnerungen. In Beirut hat sich Traboulsi in einer Stadt wiedergefunden, in der der Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg nur sehr zögerlich einsetzte.

Die Vorzüge des Libanon

Man fühle sich nie alleine gelassen, sondern stets gut aufgehoben - trotz Stress, Staus und Luftverschmutzung, betont sie im Ö1 Interview mit Susanna Niedermayr. Denn im Libanon gelte das Motto: "Jeder hilft jedem". Sie erfahre hier eine Offenheit und Hilfsbereitschaft, die sie in Österreich so nicht kennen gelernt habe. Zudem seien die Verhältnisse für sie als Fotografin von den Farben und vom Licht her "ein Traum".

Erfährt sie im Libanon Zuspruch für ihre Kunst? Für frühere Generationen konnte Fotografie nicht mehr als ein Hobby sein, meint Traboulsi. Doch die Akzeptanz in der Gesellschaft nehme zu: "Schön langsam ist Kunst nicht mehr etwas, das man zum Spaß macht, sondern etwas sehr ernst zu nehmendes, das auch politische oder gesellschaftliche Statements liefert und etwas zu sagen hat."

Dokumentation des Musikbiotops

Mitte der Nullerjahre begann sie sich intensiv mit Beiruts Musikszene auseinander zu setzen. Ab 2007 hat sie diese - ohne Auftrag - fotografisch dokumentiert. Das "Rohe und Unschuldige" habe sie an diesem versteckten Musikbiotop fasziniert, das von Medien und internationalen Labels noch nicht entdeckt worden war. Die dabei entstandenen Fotos wurden 2010 in dem Buch "Untitled Tracks: On Alternative Music in Beirut" publiziert.

Zwischen 2003 und 2013 hat Traboulsi hauptsächlich im Libanon gelebt. Bis heute hat die andere Heimat sie nicht ganz losgelassen. Die freischaffende Fotokünstlerin pendelt zwischen Österreich und dem Libanon und hat sich einen Namen als Fotokünstlerin gemacht. Die aktive Kunstszene des Libanon fasziniert sie weiterhin: "Heute gibt es für Kunstschaffende viele Möglichkeiten. Ich finde es hier inspirierend und in der Szene ist mehr Pfeffer".

Identität und Erinnerung

Die Vielfalt der kulturellen Perspektiven verleiht Traboulsis fotografischem Werk ernsthafte Anmut und spannungsgeladene Ruhe. Sie interessiert sich für Themen wie Zugehörigkeit und Erinnerung sowie für die sozialen Stigmata weiblicher Identität.

Traboulsis erste Monographie "Lost Strange Things: On not finding home" kam 2014 bei Triton heraus. Ihre Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, darunter in der Gruppenschau "Beirut" in der Wiener Kunsthalle (2011) und bei "Exposure 6" im Beirut Art Center (2014). Zuletzt war sie im Wettbewerb des 32. Salon d'Automne im Sursock Museum Beirut vertreten.

Text: Rainer Elstner

09.03.2017

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Tanya Traboulsi

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