Florian Willeitner

ANDREJ GRILC

Florian Willeitner, Violine

Florian Willeitner, geboren 1991 in Passau, studiert Violine am Mozarteum Salzburg. Bereits mit zwölf Jahren begann er autodidaktisch erste Popsongs und Jazzstandards zu komponieren. Mittlerweile schafft er Werke für Benjamin Schmid, Georg Breinschmid, die Tonkünstler Wien und viele mehr.

Was ist Kunst?

Die subtilste und feinste Sprache der Welt. Diejenigen, die ihrer mächtig sind, können sich durch sie, und nur durch sie, vollends ausdrücken. Für mich ist dieser Ausdruck unzertrennbar mit einem Kreieren verbunden, ein Erzeugen von Emotionen und Spannungsfeldern, die durch Worte nicht annähernd hervorgerufen werden können. In meinem Fall spielt das vor allem beim Komponieren eine Rolle, aber auch in meiner eigenen "Tonsprache" als Interpret.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Schon mein familiäres Umfeld war sehr von Kunst und Schöngeist geprägt, wobei ich mir sehr schnell meine eigene Kunstwelt bastelte. So war ich bis zu meinem 10. Lebensjahr fast ausschließlich mit klassischer Musik konfrontiert, verspürte dann aber recht schnell einen großen Drang nach mehr künstlerischer Freiheit, die ich dann zunächst im Jazz und in der Improvisation, später auch im Komponieren fand.

Künstlerisch tätig zu werden war aber nie eine bewusste Entscheidung für mich, vielmehr eine innere Berufung, die mir unausweichlich die richtigen Weichen für einen Lebensweg als Künstler stellte.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Tolle Fragen sind das... meiner Meinung nach kommen diese Begriffe ohne die jeweils anderen nicht aus, sie spielen tatsächlich alle drei eine Rolle. Für mich steht das "wollen" absolut an erster Stelle. Dieser innere Drang etwas zu schaffen bedingt alles weitere. Das "können" ist zwar nicht essenziell für ein Kunstwerk, dennoch spielt das Beherrschen des "Handwerks" eine große Rolle. Denn nur durch das "können" kann ein Kunstwerk Gestalt annehmen. Es verhilft quasi dem zunächst nur in der Imagination des Künstlers existenten Kunstwerk zu einer greifbaren Form, die auch von anderen wahrgenommen werden kann. Je größer das "Können" eines Künstlers, desto schärfer und detailreicher vermag er das Surreale (Imagination, "wollen") ins Reale zu übersetzen. "Müssen" im Sinne eines konkreten Auftrags oder dergleichen kann nach eigener Erfahrung durchaus ein Katalysator für kreative Prozesse sein, die Betonung liegt aber auf kann. Letztlich ist es für mich oftmals das Zusammenspiel aller drei Faktoren, die ein Kunstwerk entstehen lassen. Ein universales Grundrezept für ein wirklich gelungenes Kunstwerk hab ich aber leider noch nicht gefunden...

Wo würden sie am liebsten auftreten?

Ich würde mir wünschen, dass die Rahmenbedingungen zur Aufführung vor allem von klassischer Musik im positiven Sinne entzaubert werden. D.h. konkret, ich wünsche mir Konzertstätten, an denen die Musik selbst bzw. deren Darbietung eine größere Rolle spielt als die Abendgarderobe meiner Sitznachbarin. Ich spiele hier etwas überspitzt auf die in viel zu vielen großen klassischen Konzerthäusern noch allgegenwärtige Atmosphäre einer elitären Kunstform, deren Konsumenten sich oftmals nur rein äußerlich mit selbiger identifizieren und somit ihre Angehörigkeit zur Oberschicht zur Schau stellen, an. Alternative Konzertformate im Sinne von alternativen Aufführungsorten (seien es Clubs, alte Fabrikhallen o.ä.) oder im Sinne von künstlerischen Gesamtkonzepten, die Musik, Lichtkunst u.a. miteinander verbinden, sind definitiv die Zukunft der klassischen Musikkultur.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Sting... Für mich schlichtweg einer der inspirierendsten und charismatischsten Künstler unserer Zeit.

Und mit einem orchestralen Klangkörper, in dem jeder Einzelne sowohl die Ästhetik der Klassik als auch die des Jazz aktiv beherrscht. Im kleineren Rahmen konnte ich bereits genau das umsetzen. Für mein "New Piano Trio" oder mein Quartett "Strings & Bass" komponiere ich Stücke, die für rein klassisch ausgebildete Musiker bzw. reine Jazzer unmöglich zu spielen wären. Dabei wird ein Stil möglich, der klassische Klangkultur, Virtuosität, Improvisation, Groove, Polyphonie und komplexe Satztechniken symbiotisch vereint.

Ein ganzes Orchester zur Verfügung zu haben, mit dem ein solcher Stil im großen Stil realisiert werden könnte, ist definitiv ein großer Traum für mich.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Für mich eine stetige Gratwanderung. Die zeitgenössische E-Musik hat jedoch in den letzten Jahrzehnten viel zu sehr den Draht zum Publikum verloren. Künstlerischer Idealismus in allen Ehren, solange er nicht zu künstlerischer Arroganz wird. Ich für meinen Teil halte es in jedem Fall auch für idealistisch im besten Sinne, Musik zu schreiben, die für das Publikum zumindest emotional noch irgendwie nachvollziehbar ist, und die man sich genau deshalb auch gerne anhört. Man sollte definitiv nicht vergessen, dass Kunst ohne Publikum nicht funktioniert. Auf der anderen Seite sollte Gehalt und innerer Wert der Musik auf keinen Fall der reinen Publikumswirksamkeit zum Opfer fallen.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Realistisch betrachtet spielt Kunst im Weltmarkt eine relativ kleine Rolle. Es kommt wohl auch sehr darauf an, wie man denn Kunst nun definiert bzw. was man noch als Kunst bezeichnet oder nicht. Grundsätzlich gilt sicher auch in der Musik, je mehr Kommerz, desto mehr Markt. Die klassische Musiktradition beansprucht ja sehr gern den Begriff "Kunstmusik" für sich. Bedenkt man all die intellektuell-ästhetischen Meisterleistungen der Komponisten der vergangenen Jahrhunderte, scheint dies nachvollziehbar. Im Wort Kunst steckt aber auch das Wort künstlich, und je kunstfertiger ein Werk wird, desto größer wird die Gefahr, dass es zu sehr ins Künstliche abdriftet, und damit für den Konsumenten immer weniger fassbar und schwieriger zu konsumieren wird. Dann wären wir wieder bei der Frage der Gratwanderung aus Punkt 6. Sicher ist: Wenn die Kunst zum Selbstzweck für den Komponisten und nach außen hin nicht mehr nachvollziehbar wird, ist der Markt gnadenlos.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Reisen

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich denke, dass gerade in einem Lebensweg als Künstler im Alter zwischen 20 und 30 Jahren soviel passiert, dass ich das unmöglich beantworten kann...

Haben Sie einen Plan B?

Ja. Der kommt noch vor Plan A und gleich nach Plan C bis Z.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Ich glaub das war letzte Woche beim Skifahren, als ich (natürlich versehentlich) einen Snowboarder eingestaubt hab...

Wollen Sie die Welt verändern?

Ja. Ich denke die Welt unterliegt einer ständigen Veränderung. So funktioniert die Gesellschaft seit tausenden von Jahren, und der Träger dieser Veränderung ist immer die junge Generation. Gerade die Kunst lebt von dieser Veränderung, von neuen Formen, von neuen Perspektiven, und deshalb will ich nach Kräften versuchen, als kleines Individuum in der großen Künstlercommunity meinen Teil dazu beizutragen.