Ein älterer Herr spricht ins Mikrofon

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Sendungsmacher Gustav Danzinger über "Des Cis"

Im Anfang war der Titel. Und sonst so gut wie nichts. Doch dieser Titel ist schon Programm und reizt zudem zu exegetischen Turnübungen. Zweifellos hat er mit Musik zu tun. Dass es sich beim Des, dem um einen Halbton erniedrigten D, und beim Cis, dem um einen Halbton erhöhten C, um dieselbe Sache handelt, ist bloß für wohltemperierte Pianist/innen eine Tatsache.

Fast alle anderen Musiker/innen sehen da ein paar Cent Unterschied versteckt, die sich im Laufe eines längeren Musikstücks schon zu einer beachtlichen Summe akkumulieren können. Wir sehen schon: Des Cis kann vielfältig gehört und interpretiert werden. In Österreich lässt sich Des sogar zum umgangssprachlichen Artikel von Cis degradieren.

Neuigkeiten aus der Klassikwelt

Doch "Des Cis" soll nicht degradieren, sondern gradieren. "Des Cis" bringt Auserlesenes und Ausgezeichnetes, vor allem Musik, beste Klassik im weiten Sinn des Wortes. Ausgewählte CD-Neuerscheinungen, herausragende Tondokumente der Interpretationsgeschichte, Staunen erzeugende Raritäten; abwechselnd präsentiert von Ihnen bekannten Damen und Herren aus der Ö1 Musikredaktion, die zudem auch noch Neuigkeiten und aktuelle Ereignisse aus der Klassikwelt aufbereiten werden.

Mit A-H nimmt man die eben erfahrene Neuigkeit des Tages zur Kenntnis, und die jüngst herausgekommene CD besteht nun einmal aus C und D. H-C wird allem zuteil, was Ehrensache ist, und die abschließende Miniglosse firmiert, etwas Wien-zentriert, unter Des-A. Vielleicht besteht ein virulenter Zusammenhang zwischen der Tatsache, dass Wien eine Welthauptstadt der Musik war und (noch) ist, und dem hier gesprochenen Jargon: Wer auf verblüffende Entwicklungen mit "A-G" reagieren und den strahlenden Gewinner eines Wettbewerbs als Des-As vorstellen kann, ist schon extrem musikaffin.

Erstaunliche Potenziale

Der Titel, der im Anfang war, gibt permanent Impulse ab: Ist "Des Cis" schon keine Willkür, sondern semantisches Kalkül, so lassen weitere Ton-Namenpaare erstaunliche Potenziale aufblitzen. Der nützliche Hinweis zum Tag lässt sich mühelos als E-Ces chiffrieren; mit dem Ton-Duo Fis-Es kann man sich über Gemeinheiten aus dem Musikbetrieb entrüsten.

Spannendes Wohlbehagen

Da die Präsentation von Neuem in vielen Tönen und in wenigen Worten das künftige Wesen von "Des Cis" prägen soll, wird im Programmteil dieser "gehört"-Ausgabe nichts verraten, weder die Person des Gestalters noch der Inhalt - zudem wissen wir das zum Zeitpunkt der Drucklegung selbst noch nicht.

Und wir wollen ein paar Dinge probieren, die das Radio ermöglicht: in 111 Sekunden Bruckners "Achte" oder Cherubinis "Medea" erläutern, vom RSO Wien erfahren, was sein heutiges Konzert so besonders interessant macht, geliebten Musiker/innen zum Geburtstag gratulieren - und vor allem: dass unsere Hörer/innen sich auf spannende Weise wohlfühlen!

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