Getreidebauern in China

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Wenn der Weizen knapp wird

Seit bald zehntausend Jahren bauen Menschen Weizen an. Heute ist Weizen mit rund 220 Millionen Hektar die am weitesten verbreitete Ackerpflanze. Der mit Abstand größte Weizenanbauer weltweit ist China, gefolgt von Indien und den USA. Das Getreide liefert ein Fünftel des weltweiten Kalorien- und Proteinbedarfs in der menschlichen Ernährung. Für etwa drei Milliarden Menschen ist Weizen heute ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel.

Laut UNO wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf über neun Milliarden ansteigen. Daher wird auch der Bedarf an Weizen bis 2050 um 60 Prozent steigen. Viel mehr Land wird für den Anbau in den kommenden Jahren aber nicht zur Verfügung stehen. Was die Menschen mehr brauchen werden, muss also über einen deutlich höheren Ertrag gedeckt werden.

Die Landwirtschaften der Industrieländer sind allerdings mit ihren Hochleistungssorten und dem optimierten Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln schon an der oberen Grenze ihrer Produktionsmöglichkeiten. Das große Potential für Ertragsteigerung liegt daher bei den kleinen Betrieben der Schwellen- und Entwicklungsländer. Wenn diese kleinbäuerlichen Höfe, die derzeit vorwiegend zur Selbstversorgung betrieben werden, mehr ernten und verkaufen könnten, würde das nicht nur die ländliche Armut verringern, sondern auch ein wichtiger Schritt zu Sicherung der Welternährung sein. Hier könnte auch die Wissenschaft einen Beitrag leisten, denn vor knapp drei Jahren wurde das Erbgut des Weizens entziffert, jetzt können sich Wissenschaftler gezielt auf die Suche nach Genen machen, die für den Ertrag wichtig sind.

Weizen-Pathologe

Das Weizenversuchsfeld des International Maize and Wheat Improvement Center in Mexiko.

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Dabei geht es um Gene, die die Pflanze resistent gegen ungünstige Umweltbedingungen machen, wie zum Beispiel Kälte, Hitze oder Trockenheit. Diese Gene zu kennen ist wichtig für die Züchtung neuer Weizensorten. Wie ein Versuch, des International Maize and Wheat Improvement Center zeigt, der sich mit den Auswirkungen der weltweiten Klimaveränderung auf die Weizenerträge beschäftigt. An einem mexikanischen Versuchsstandort wurde der Einfluss steigender Nachttemperaturen auf den Ertrag gemessen. Dabei wurde festgestellt, dass eine Zunahme der durchschnittlichen Nachttemperatur um ein Grad Celsius den Weizenertrag pro Hektar um etwa 700 Kilogramm reduziert.

Die universell einsetzbare, perfekte Weizensorte für die ganze Erde wird es aber nicht geben, da Weizen sehr empfindlich auf Umweltbedingungen reagiert. Daher sind gerade in der Weizenzüchtung Regionalität und Vielfalt wesentlich.

Um dem steigenden Bedarf an Weizen, in den kommenden Jahren, gerecht zu werden müssen aber auch Anbaumethoden und politische Rahmenbedingungen verbessert werden. Denn Züchtung und Forschung, so schätzen Wissenschaftler heute, könnten nur ein Drittel zu der erhofften Ertragssteigerung von 60 Prozent beitragen.