Bob Dylan, 1966

AP/PIERRE GODOT

All the World's a Stage: Dylan und Shakespeare

“Seit Jahren versuche ich Lieder zu schreiben, die einem Drama von Shakespeare ähneln“, so Bob Dylan in einem Interview 2015. Wieviel Shakespeare steckt also in Dylans Werk?

Der deutsche Literaturwissenschaftler Heinrich Detering hat sich mit Bob Dylans Shakespeare-Bezügen in seinem Buch "Die Stimmen aus der Unterwelt. Bob Dylans Mysterienspiele" befasst. Im Mittelpunkt steht vor allem das Spätwerk Dylans, beginnend mit dem 2001 erschienenen Album "Love and Theft". Dylan bezieht sich in vielen seiner Liedtexte auf Autoren wie Ovid, Bertolt Brecht oder Jack Kerouac.

William Shakespeare, so Heinrich Detering, sei aber die wichtigste Quelle im Schaffen Dylans. Der Literaturwissenschaftler argumentiert das u.a. damit, dass Anspielungen auf Shakespeare bereits im Frühwerk des Musikers zu finden sind: "Shakespeare ist in der Gasse/Mit seinen spitzen Schuhen und Glocken/Er redet mit einer jungen Französin/Die sagt, sie kennt mich gut (…)" - so lautet die von Gisbert Haefs ins Deutsche übersetzte zweite Strophe aus dem Lied Stuck inside of mobile with the memphis blues again (aus dem Album Blonde on Blonde, 1966).

Hier lässt Dylan den Barden persönlich auftreten, während in Desolation Row (1965) zwei Shakespeare-Figuren erwähnt werden, einer davon ist Romeo: „Aschenputtel wirkt so gelassen/„Zwei von einer Sorte erkennen sich“, lächelt sie/Und steckt die Hände in die Gesäßtaschen/Ganz wie Bette Davis/Und da kommt Romeo herein, er seufzt/„Ich glaube, du gehörst mir“/Und einer sagt: „Du bist hier falsch, mein Freund/Geh lieber“ (…)“.

2012 veröffentlichte Bob Dylan sein Album "Tempest", eigentlich ein eindeutiger Bezug auf "The Tempest/Der Sturm", dem vermutlich letzten Werk Shakespeares. Allerdings erzählt Dylan im Titelsong scheinbar vom Untergang der RMS Titanic.

Service

Heinrich Detering, "Die Stimmen aus der Unterwelt. Bob Dylans Mysterienspiele" Verlag C.H. Beck
Heinrich Detering, "Bob Dylan. Planetenwellen. Gedichte und Prosa", Verlag Hoffmann und Campe
„Bob Dylan. Lyrics. Sämtliche Songtexte 1962 - 2012“ übersetzt von Gisbert Haefs, Verlag Hoffmann und Campe
Heinrich Detering, "Bob Dylan", Reclam

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