Die Beatles

ASSOCIATED PRESS

Als der Summer of Love die Beatles zu Hippies machte

1967 blüht die noch junge Popwiese in sattem Grün und San Francisco verschickt frische Blumengrüße in die Welt. In London tauscht man gerade Labels: Swinging London verlor an Aura, Psychedelic London wird die neue Welle. Die vier Pilzköpfe, die all das mit einem Urknall einleiteten, haben zum ersten Mal seit Jahren die Zeit, wieder kopfüber in jene Jugendkultur einzutauchen, die auch sie hervorgebracht hat.

Pop ist die allgegenwärtige Jugendsprache, das Vokabular aber ist immer noch neu. Die LP wird zum aufstrebenden Format für komplexere Sounds, verpackt in größere Konzepte. Und Pop ist nicht mehr die einzige Bastion der Jugend: Kunst, Film, Literatur, Tanz, Design - die Zukunft grinst den Jungen rosig entgegen. Für Stillstand war keine Zeit. Alle paar Wochen ein neuer Trend, eine neue Band, ein neuer Film, der für Furore sorgt. Mittendrin: die Beatles.

Dabei klingt "Love Me Do" wie ein altbackenes Echo aus einer anderen Ära. Sein Komponist Paul McCartney hat sich ein Haus in der Cavendish Avenue gekauft; sieben Minuten spaziert er nun zu den Abbey Road Studios. Nach einem Motorradunfall trägt der Beatle einen Schnauzer. So wie auch seine Bandkollegen. Geheimnisvoller wirken sie. Rebellischer. Paul McCartney wird zum Kunstbesessenen, der Galerist Robert Fraser zu seinem engen Freund und Barry Miles, Gründer der Indica Gallery, zu seinem persönlichen Avantgarde-Einflüsterer.

Als Miles die Untergrundzeitung "International Times" gründet, schießt McCartney eigenes Geld zu. Er vertieft sich in die Musik von Stockhausen und Berio. Die anderen drei leben unterdessen im noblen Surrey - in Häusern mit Namen, wie es sich für stattliche Domizile in England gehört. In Kenwood, Weybridge, oszilliert John Lennon zwischen seinem Musikraum mit Klavier, einem Zuckerglas gefüllt mit den buntesten Pillen, von Speed bis LSD, und seiner Ehe, die sich gerade auflöst. George Harrison entdeckt in Kinfauns indische Spiritualität, und Ringo Starr gedeiht als glücklicher Familienvater. Der Name seines Hauses: Sunny Heights, also sonnige Gipfel.

Ein feiner Schnitt trennt die monolithische Einheit

Woche um Woche vergeht, ohne dass von frischen Abenteuern der Fab Four berichtet wird. Spekulationen blühen - und: Die Öffentlichkeit muss ihr Beatles-Image einem korrigierenden Eingriff unterziehen. Ein feiner Schnitt, der die monolithische Einheit Beatles trennt, um sie aus dem Singular in den Plural zu überführen. John, Paul, George und Ringo werden zu individuellen Stars. Zum ersten Mal seit der Beatlemania tauchen die vier Ende 1966 ab.

Nach dem Ende der finalen Amerika-Tour dreht einer einen Film in Spanien (John), ein anderer reist nach Indien (George), der Dritte komponiert Filmmusik (und ist damit der erste Beatle, der außerhalb der Band Musik veröffentlicht, Paul nämlich), und der Vierte genießt die verdiente Ruhe (Ringo). Dieses Durchatmen wird zur kreativen Basis für ein fulminantes, bittersüßes Jahr, das im Rückblick gleichzeitig Höhepunkt und beginnender Schwanengesang der Beatles-Saga ist.

1967 veröffentlichen die Beatles das Single-Meisterwerk "Strawberry Fields Forever/Penny Lane" und "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" wird zum globalen Phänomen. Kurz darauf flimmert "All You Need Is Love" über die Bildschirme von 400 Millionen Menschen. Die Götter der Jugend predigen die kunterbunte, LSD-befeuerte Liebe, und die Welt sieht und hört gefesselt zu. Im August folgen die vier dem Ratschlag von Georges Frau Pattie.

Epsteins Tod bringt das Gefüge ins Wanken

Doch während sie im walisischen Bangor der Instant-Meditation von Maharishi Mahesh Yogi zuhören, stirbt jener Mann, der die Band formte. Brian Epsteins Tod bringt das Gefüge ins Wanken. George, der schon 1966 aussteigen wollte, John, der seine inneren Dämonen so regelmäßig wie exzessiv durch LSD auszutreiben versucht, Ringo, dessen Schlagzeugparts Paul McCartney zusehends selbst einspielt - diese drei angezählten Jugendidole sehen sich einem durch "Sgt. Pepper" zusätzlich angestachelten Paul McCartney gegenüber, der schon Tage nach dem Tod von Epstein das Ruder übernimmt. Dann eben weiter. Dann eben ein gelber Bus ins Nirgendwo - dann eben "Magical Mystery Tour".

Die Dynamik des Auseinanderdriftens bleibt. Die Band, die einmal Lennons trotzige Rebellenbande war, verändert sich. David Baldinger hat für sein Feature mit Freunden, Wegbegleitern und Biografen der Beatles gesprochen. "All You Need Is Love - Als der Summer of Love die Beatles zu Hippies machte" schlendert durch das psychedelische London und bettet die Beatles in ihre Zeit ein.

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