Claudia Döffinger

PETER PURGAR

Claudia Döffinger, Jazzkomposition

Claudia Döffinger ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, nach Studien in der Schweiz hat sie ihr Weg an die Kunstuniversität Graz geführt, wo sie aktuell Jazzkomposition und -arrangement studiert. Mit ihrer Komposition "White Note Exorcist" hat sie 2017 unter anderem den Downbeat Student Music Award (USA) in der Kategorie "Original Composition for Large Ensemble" gewonnen.

Was ist Kunst?

Das ist eine schwierige Frage! Obwohl ich mich selbst als Künstlerin bezeichnen würde, habe ich mir über den Kunstbegriff selten Gedanken gemacht. Vielleicht ist Kunst die Fantasie einer Person, die ihre eigene(n) Gedanken,Vorstellungen,Wünsche,Träume, Kritik in irgendeiner Form (Musik, Schauspiel, Photographie, Tanz, Malerei, …) zum Ausdruck bringt und das Endprodukt einer Öffentlichkeit zugänglich macht.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Mit acht Jahren habe ich mit dem Klavierspielen begonnen und im Verlauf der Jahre hat dieses Hobby immer mehr Bedeutung für mich gewonnen. Ich kann auch nicht genau sagen, warum. Klavierspielen war aber tatsächlich schon immer ein Ventil für meine Emotionen. Ausserdem habe ich früh in diversen Formationen verschiedener Stilrichtungen gespielt. Üben, Proben und Konzerte habe ich schon immer ernst genommen (ich bin kein Mensch, der Sachen nur halbherzig erledigt) und irgendwann den Schritt gewagt, diesen Weg professionell einzuschlagen.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Aus meinen bescheidenen Erfahrungen sprechend, würde ich sagen, Kunst kommt als erstes von wollen. Man hat den Willen etwas zu beherrschen. Erst wenn man sich länger mit der Tätigkeit auseinandersetzt, wird das Handwerk erlernt und man „kann“ Kunst. Dann kann man die Kunst bzw. das Handwerk auch abrufen, wenn es sein „muss“. Ich kann nur aus der Musiker-Künstler-Position sprechen: es ist selten, dass man mit der Kunst, die einem wirklich am Herzen liegt, Geld verdient. Meistens muss man auf Abruf die gewollte Kunst abliefern, um sein Leben zu finanzieren oder auch die Kunst zu finanzieren, die man machen will. Was im Endeffekt nicht so negativ ist, wie es vielleicht klingen man. Immerhin dürfen wir uns täglich mit Musik beschäftigen - ein großes Privileg!

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

Da hab ich keine besonderen Vorlieben. Hauptsache, es geht immer weiter, immer vorwärts. Ob nun große Bühne oder kleiner, intimer Rahmen -- wichtig ist vor allem, dass man Leute mit der Kunst, oder in meinem Fall, der Musik berühren, kann.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Die Liste wäre endlos ...

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Kunst ist angewiesen auf den Markt, alleine schon um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Ohne eine Präsenz in den Medien (Youtube, Facebook, Instagram, Twitter, ect….) funktioniert das Musikerdasein schon lange nicht mehr. Der Druck zwischen allen anderen auf irgendeine Weise herauszustechen kann deprimieren, aber auch motivieren.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

An den Kunstuniversitäten werden immer mehr Musiker ausgebildet und das Niveau wird immer höher. Im Verhältnis dazu stehen aber nicht mehr Stellen an Musikschulen, mehr Auftrittsmöglichkeiten oder Fördergelder zu Verfügung. Dieses Überangebot macht die Existenz für alle schwerer.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Um Zeit mit lieben Menschen zu verbringen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Außer dass ich fast vierzig bin, unterscheidet sich das zukünftige Leben nicht so sehr von dem jetzigen. Klavier unterrichten, Konzerte, Komponieren/Arrangieren, Projekte verschiedenster Art, vielleicht Mutter sein? Als Powerfrau alles unter einen Hut bringen, das schwebt mir vor.

Haben Sie einen Plan B?

Nicht wirklich. Ich glaube, wenn man etwas wirklich will und mit Leidenschaft ausübt, wird sich immer ein Weg finden.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Ich bin mir nicht sicher, ob es ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, dass ich diese Frage nicht beantworten kann. Da müssten Sie meine Freunde fragen...

Wollen Sie die Welt verändern?

Unbedingt! Ich hab ein großes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Frieden. Deshalb versuche ich in meinem Leben jedem Lebewesen den größtmöglichen Respekt entgegenzubringen, bewusst zu leben, nicht verschwenderisch zu sein. Das klingt esoterisch, soll es aber gar nicht sein. Ich habe einfach nur ein großes Herz. Verändern kann ich die Welt wohl nicht, aber den kleinen Kosmos, in dem ich mich bewege, kann ich zu dem lebenswerten Ort machen, den ich mir für mich und meine Umwelt wünsche. Und wer weiß? Vielleicht inspiriere ich jemanden?!