Eva Dichand

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Eva Dichand: Keine Hetze in "Heute"

"Heute"-Herausgeberin Eva Dichand versucht im #doublecheck-Interview ein differenziertes Bild vom österreichischen Zeitungsboulevard zu zeichnen. Sie spricht über Falschmeldungen, die in allen Medien vorkommen, Gefälligkeitsjournalismus, der gar keiner ist, und die "eheliche Meinungsvielfalt" zwischen sich und ihrem Mann, dem "Krone"-Chef.

Für Eva Dichand ist Boulevard nicht gleich Boulevard. Sie sieht große Unterscheide zwischen "Heute", "Österreich" und "Kronen Zeitung" und spricht sich gegen eine pauschale Kritik am Boulevard aus. Dichand nennt vor allem die Konkurrenzzeitung "Österreich", die etwa online ein "Pingpong-Spiel" mit der Facebook-Seite der FPÖ veranstalte, um im Netz geteilt zu werden und Klicks zu generieren. Ihre Zeitung stehe abseits des berüchtigten Boulevards. In "Heute" wird nicht gehetzt, und das ist der große Unterschied", sagt Dichand.

Eva Dichand im Interview mit Stefan Kappacher, Teil 1

Gratisboxen-Verbot wäre "wie in China"

Würden die Entnahmeboxen für Gratiszeitungen im öffentlichen Raum verboten, wäre das für "Heute" ein harter Einschnitt. Trotzdem hat Eva Dichand – im Gegensatz zu "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner – nicht öffentlich gegen ein Verbot, wie es die Sektion 8 der SPÖ-Wien gefordert hatte, Stellung bezogen. Sie habe andere Kanäle, um ihre Kritik zu äußern: "Wir haben mit vielen in der SPÖ und der Gewerkschaft gesprochen", sagt Dichand. "Wir sind nicht in China. Ein Produkt, egal welches, verbieten zu wollen, weil man versucht, den Vertrieb zu verbieten, das halte ich für falsch."

Interview mit Eva Dichand, Teil 2

Gegen pauschale Kritik

Dichand nennt es eine Zumutung, wenn ihre Zeitung bei der pauschalen Kritik am Boulevard mitgemeint wird. Fehler in Form von Falschmeldungen passierten zwar, sagt Dichand, aber in allen Medien. Für sie gehe es daher um das Ausmaß. "Es kann Geschichten geben, wo man nachher draufkommt, die haben nicht gestimmt. Das gibt es bei allen anderen Medien aber auch."

Interview mit Eva Dichand, Teil 3

Kein Gefälligkeitsjournalismus, aber interessante Geschichten

Mit dem Begriff des Gefälligkeitsjournalismus kann Dichand wenig anfangen. Für sie ist es eine Frage des Ausmaßes. Wenn Anzeigenkunden zur Berichterstattung anregen wollen, heiße das nicht, dass die Redakteure diesen Wünschen auch Rechnung tragen, aber: "Du hast zum Kunden ein gutes Verhältnis, und wenn er dich anruft und sagt, wir bringen ein neues Produkt auf den Markt und das ist für den Leser interessant, warum sollst du nicht darüber schreiben?" - so Dichand.

Heute-Zeitungen

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Auch bei der Politik-Berichterstattung will "Heute" auf jene Themen setzen, die ihre Leser interessieren. Da werden Fotos von der New York-Reise des Bundeskanzlers abgedruckt, oder aber er gibt "Tipps zum Anbandeln" für Jugendliche. Eva Dichand verteidigt das: "Das interessiert die Leute, das geht viral, das ist eine witzige Online-Geschichte. Und das ist einmal der Herr Kern, beim nächsten Mal der Herr Kurz und dann ist es einmal der Herr Strache. Und immer der, der es nicht ist, regt sich auf. Was hat das mit Gefälligkeitsjournalismus zu tun?"

Interview mit Eva Dichand, Teil 4

"Eheliche Meinungsvielfalt" zwischen "Heute" und "Krone"

Im bevorstehenden Wahlkampf will sich "Heute" auf keine Seite schlagen. "Wir werden uns mit den Inhalten beschäftigen und uns relativ neutral verhalten, soweit das möglich ist." Diese Distanz zur Politik unterscheide "Heute" von der "Kronen Zeitung", mit deren Herausgeber und Chefredakteur Christoph Dichand die "Heute"-Chefin verheiratet ist. Die Familie Dichand hält die Hälfte der "Krone"-Anteile.

Interview mit Eva Dichand, Teil 5

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