Rendering Außenansicht des umgebauten Wien Museums

Certov, Winkler + Ruck Architekten

Warten auf das Wien Museum neu

Heuer werden die Bauarbeiten für das Wien Museum am Karlsplatz beginnen, hat es noch vor einem Jahr geheißen, sieben Monate wären also noch Zeit für einen Spatenstich. Das wird sich aber wohl nicht ausgehen. Derzeit heißt es: warten auf die Flächenwidmung und die Finanzierung ist auch noch nicht geklärt. Fakt ist: Der historische Bau von Oswald Haerdtl muss nicht nur dringend renoviert werden, das Museum platzt auch schon aus allen Nähten. Ein Lokalaugenschein.

Morgenjournal, 6.6.2017

Kristina Pfoser

Kulturjournal, 6.6.2017

Matti Bunzl im Gespräch über die Zeit des Umbaus, wachsende Städte und offene Räume.

Offene Fragen

Der erste Vorbote steht schon vor der Tür des Wien Museums. Es ist ein Tiefenbohrer, der Daten zur Bodenbeschaffenheit liefert. Aber der Direktor des Wien Museums Matti Bunzl warnt vor voreiliger Euphorie - bevor es ernst wird, muss noch einiges passieren: Die Flächenwidmung wird voraussichtlich im Herbst im Gemeinderat beschlossen, bis dahin sollen auch die Kosten ermittelt und die Finanzierung geklärt werden, heißt es aus dem Büro des Wiener Kulturstadtrats Andreas Mailath-Pokorny. Nachsatz: An der Umsetzung des Projekts bestehe nicht der geringste Zweifel.

Matti Bunzl zeigt sich zuversichtlich-gelassen. "Als Museum denken wir nicht in Tagen oder Wochen, sondern in Jahren und Jahrzehnten. Vorranging ist, dass wir ein großartiges Museum haben, das die Stadt auf Jahrzehnte beglückt. Ob das ein halbes Jahr länger dauert, das raubt mir nicht den Schlaf."

Der Pavillon auf dem Dach

Die Bauzeit soll jedenfalls rund zweieinhalb Jahre dauern. Eines steht für Matti Bunzl aber jetzt schon fest: "Das Museum wird ein Modell an Klarheit und Überschaubarkeit sein." Wie genau, das kann man sich im Atrium des Wien Museums anschauen. Dort sind die Pläne des österreichischen Architektenteams Winkler+Ruck und Ferdinand Certov für das Wien Museum neu ausgestellt. Man sieht einen klassisch modernen Pavillon, der scheinbar über dem Haerdtl Bau schwebt. Darunter - sozusagen als transparenter Sockel - das so genannte Fugengeschoß, ein Ort für Veranstaltungen, das "Labor der Zivilgesellschaft", wie Matti Bunzl sagt. Und das Kernstück des Museums, die Dauerausstellung kann sich im gesamten Altbau ausbreiten.

Von Vindobona bis heute

Das Konzept für diese Präsentation liegt schon fix und fertig in der Schublade - vom römischen Legionslager "Vindobona" bis in die Gegenwart der globalen Stadt. "Der Grundanspruch dieser Dauerausstellung ist, die Stadt, die wir heute haben, eine rapide wachsende Stadt, die immer diverser wird, historisch zu verankern. Wir wollen nachvollziehbar machen, was es heißt, wenn Städte wachsen, dass das Momente mit großen Herausforderungen sind, vor allem aber mit großen Chancen. Zentral ist die Frage: Was kann die Geschichte der Stadt uns heute lehren."

An neuralgischen Punkten der Stadt

Mit der Geschichte der Stadt wird das Museum auch während der Zeit des Umbaus in Wien präsent sein. Zum einen will man mit einer modularen Ausstellung und mit Animationsprogrammen in Schulen gehen, zum anderen werden fünf mobile kleine Museen an neuralgischen Punkten der Stadt errichtet, etwa am Margarethengürtel, am Praterstern oder bei der Großfeldsiedlung. Mit jeweils einem spezifischen Schwerpunktthema wie Verkehr, Zuwanderung oder Wohnbau. Und das Wien Museum am Karlsplatz will Matti Bunzl im kommenden Jahr - vor dem Baubeginn - noch mit zwei großen Ausstellungen bespielen: Mit einer Otto-Wagner-Schau und "Mit Haut und Haar", einer Geschichte der Schönheitsindustrie in Wien.

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